Trendreport
Konjunktur 2009
Optimistisch in die Zukunft
04.03.2009
Umfrage: Während in der aktuellen Krise in den Medien die Negativmeldungen dominieren, reagieren vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sehr abgeklärt und durchaus mit einem selbstbewussten Gefühl der eigenen Stärke. werkzeug&formenbau hat sich in der Branche umgehört. Und nicht wenige Befragte sehen die Krise durchaus als das, was sie eben auch ist: eine Chance für den, der sie zu nutzen weiß.
Derzeit überbieten sich Wirtschaftsexperten in immer düsterer gezeichneten Schreckensmeldungen. Und die Medien spielen das Spiel gern mit: Nachrichten von Kurzarbeit und Entlassungen, von Unternehmenszusammenbrüchen und von Milliardenverlusten prägen die Berichterstattung. Klar, insbesondere im Umfeld der Automotive-Industrie sind die negativen Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise deutlich spürbar – und insbesondere da, wo Arbeitsplätze verloren gehen, wo menschliche Schicksale betroffen sind, ist die Krise in vollem Umfang angekommen.
Die Krise und ihre Bewältigung ist durchaus eine ernstzunehmende Herausforderung. Für Staaten, für Unternehmen, für jeden Einzelnen. Andererseits: Jede Krise hat zwei Seiten. Alles in allem scheint die Situation insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz keineswegs so düster, wie der Tenor der allgemeinen Berichterstattung in den Medien uns glauben machen will. Und zwischen all den Schreckensmeldungen mehren sich durchaus die Zeichen für einen Silberstreif am Horizont.
So sieht das Ausland die DACH-Region nach wie vor sehr positiv, Deutschland hat als Investitionsstandort von US-Unternehmen gar den Spitzenplatz in Europa erobert: „Deutschland wird jetzt in der Krise als Nummer eins gesehen”, erklärt Christian Veith, Deutschland-Chef der Boston Consulting Group. Nach seiner Aussage wollen zahlreiche US-Unternehmen 2009 die Investitionen in Deutschland sogar erhöhen. Zudem sind viele US-Unternehmen davon überzeugt, dass die Auswirkungen der Finanzkrise in Deutschland weniger stark zu spüren sein werden als in anderen Ländern.
Es ist viel Psychologie in der Krise – deutlich wurde dies bei der Diskussion um die Abwrackprämie: Wenn entsprechend positive Signale gesetzt werden, sind die Verbraucher auch jetzt durchaus noch bereit, Geld auszugeben.
In den Betrieben im Werkzeug- und Formenbau überwiegt Gelassenheit, auch im Automobil-affinen Sektor. Es herrscht ein abgeklärter, realistischer Optimismus, der die derzeitige Krise in erster Linie als Herausforderung ansieht, sich optimal aufzustellen. Auch jetzt denken Unternehmen an Investitionen in Maschinen, Automatisierung, Organisation, aber auch in qualifizierte Mitarbeiter. All das mit dem erklärten Ziel, die eigene Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern. Damit man ganz vorn mitspielen kann, wenn die Nachfrage wieder anzieht und die Aufträge kommen. Und das wird mit Sicherheit geschehen.
werkzeug&formenbau befragte diese Unternehmen aus der Branche und ihrem engen Umfeld zur aktuellen Situation:
Christian Karl Siebenwurst GmbH & Co. KG, Dietfurt
Hilti Corporation in Schaan
Datron AG, Mühltal
Segoni AG, Berlin
Franz Haimer GmbH, Igenhausen
Die Fragen im Detail:
1. In der Krise die Chance: Dass wir es momentan mit einer schwierigen wirtschaftlichen Situation zu tun haben, ist den meisten Unternehmen bewusst. Warum blicken Sie trotz der vermeintlich katastrophalen wirtschaftlichen Lage positiv in die Zukunft?
2. Welche Lehren ziehen Sie für Ihr Unternehmen aus dieser – teilweise hausgemachten – Krise?
3. Wie lange, denken Sie, werden wir mit den Folgen des aktuellen Konjunkturrückgangs zu kämpfen haben?
Roland Siebenwurst, Leitung Projektmanagement Christian Karl Siebenwurst Modellfabrik und Formenbau GmbH & Co. KG, Dietfurt:
1. Der gewaltige Einbruch im Absatz an Fahrzeugen führt dazu, dass die Einführung neuer Modelle verschoben oder gar gestoppt wird. Außerdem wird auf den Rückgang der Stückzahlen ein verstärkter Druck auf die Preisentwicklung der Betriebsmittel folgen. Dies ist die dramatische Seite der aktuellen Entwicklung. Doch meiner Ansicht nach ergeben sich auch Chancen für den Formenbau: die wirtschaftliche Krise – gerade in der Automobilbranche – ist eng verknüpft mit der Umweltthematik. Und das bedeutet, dass die OEMs neue, umweltschonendere Modelle auf den Markt bringen müssen. Und gerade in diesen Neuentwicklungen sehe ich die Chance für innovative Formenbauer, die in der Lage sind, ihre Kunden in neue Verfahren und Technologien zu unterstützen.
2. Für unser Unternehmen ist es auf jeden Fall eine Bestätigung dafür, dass wir mit unseren Werkzeugkonzepten in Richtung innovative Technologien und Leichtbau auf dem richtigen Weg sind. Gerade in der intensiven Zusammenarbeit mit Universitäten und den Entwicklungsabteilungen der OEMs bzw. Systemlieferanten sehen wir für unser Unternehmen das entscheidende Moment, um in neuen Verfahrens- und Werkzeugtechnologien – gerade im Hinblick auf den Leichtbau – eine herausragende Stellung einzunehmen. Außerdem werden wir weiter die „eigenen Hausaufgaben” wie Optimieren der internen Prozesse und Fortführung unserer Produktivitätssteigerungs-Programme vorantreiben, um effizienter unsere Kunden bedienen zu können.
3. Zu den vielen prophetischen Aussagen möchte ich keine weitere Spekulation zur allgemeinen konjunkturellen Entwicklung beisteuern. Für uns als Formenbauer, der hauptsächlich von der Automobilbranche lebt, kann ich nur sagen, dass die Folgen sicherlich erst zeitversetzt eintreten werden.
Claudia Haimer, Geschäftsführerin Franz Haimer GmbH, Igenhausen :
1. Wir haben unser Nötigstes getan, um in den letzten Jahren unabhängiger von einzelnen Branchen und Großkunden zu werden. Somit stehen wir auf einer soliden Basis auch für etwas dürrere Jahre. Als hoch innovatives Unternehmen sehen wir in jeder Krise die Chance neue Technologien zu bewerben. Zudem bietet die Krise die Chance, sich auf die wesentlichen Kompetenzen des Unternehmens zu besinnen und somit die Vorarbeit für einen neuen Aufschwung zu leisten.
Im Allgemeinen sind wir der festen Überzeugung, dass vieles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird: Diese Krise wird speziell von der Automobilindustrie heraufbeschworen, die Industrie mit berechtigterweise der größten Lobby und die auch tatsächlich am meisten betroffen ist.
Allerdings sieht es in vielen anderen Branchen überhaupt nicht düster aus. Lediglich fand in den letzten Monaten eine starke Verunsicherung aller Marktteilnehmer statt, so dass sich die Krise psychologisch weiter zugespitzt hat und auch noch zuspitzen wird. Hier spielen die Medien eine elementare Rolle.
2. Die aktuelle Lage in der Automobilindustrie zeigt sehr deutlich, dass eine übermäßige Produktion auf Halde in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld durchaus schwerwiegende Folgen für die Unternehmen haben kann. Somit hat sich für uns erneut gezeigt, dass nur eine nachhaltige Wachstumsstrategie mit solider Liquidität und Profitabilität von Erfolg gekrönt sein wird.
Außerdem ist die Krise durch eine Überschuldung und den übermäßigen Konsum auf Pump entstanden. Jetzt sollte nicht der gleiche Fehler nochmals gemacht und versucht werden, die Krise durch unverantwortlich hohe Verschuldung zu bekämpfen.
3. Wir rechnen damit, dass sich die wirschaftliche Situation bis Ende 2009 stabilisieren und erholen wird. Dennoch hängt diese Entwicklung stark von dem Vertrauen der Martkteilnehmer ab, welches besonders durch die Medien beeinflusst werden kann.
Elmar Nestle, Leiter Werkzeugtechnik der Hilti Corporation in Schaan:
1. Hilti ist solide und gut aufgestellt. Unser Geschäftsmodell mit dem Direktvertrieb beinhaltet gute Chancen, gerade in schwierigen Zeiten neue Marktanteile zu gewinnen. Mit mehr als 200 000 Kundenkontakten täglich wissen wir genau, wie es unseren Kunden geht, wo die Trends und Entwicklungen hingehen. Damit sind wir in der Lage, uns schnell auf Veränderungen und wechselnde Bedürfnisse im Markt einzustellen. Deshalb sind wir optimistisch, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.
2. Die aktuelle Wirtschaftskrise hat uns allen gezeigt, dass sich die Wirtschaftslage global viel schneller und drastischer verschlechtern kann, als man bisher angenommen hat. Aus solchen Gründen ist es umso wichtiger, ein Unternehmen flexibel aufzustellen, damit rasch auf veränderte Marktsituationen reagiert werden kann.
3. Das lässt sich angesichts der momentanen Entwicklungen nur sehr schwer einschätzen, zumal die konjunkturellen Auswirkungen der Krise nicht in allen Ländern im selben Ausmaß zutage treten. Vieles wird davon abhängen, wie rasch sich das Finanzsystem stabilisiert und wieder Investitionen getätigt werden. Wenn beispielsweise in ohnehin schon schwachen Märkten weiterhin die Kredite für Bauvorhaben ausbleiben, werden die Folgen für die Baukonjunktur immer gravierender sein.
Arne Brüsch, Vorstandsvorsitzender Datron AG, Mühltal:
1. Das hat zwei wesentliche Aspekte. Zum Ersten haben wir die letzten Jahre sehr intensiv genutzt und viel in neue Produkte investiert. Wir sehen nämlich durchaus, dass es Kunden gibt, die gerade jetzt die Chance ergreifen, ihre Produktion produktiver zu gestalten. Und da spielen unsere neuen Produkte ein maßgebliche Rolle. Zum Zweiten nutzen wir die Chance, gerade jetzt in qualifiziertes Personal zu investieren, um für den kommenden Aufschwung gerüstet zu sein. Der Arbeitsmarkt ist seit etwa einem halben Jahr deutlich entspannter als er es noch vor einem Jahr war.
2. Die Lehren haben wir bereits aus der Krise 2002/2003 gezogen. Wir haben konsequent den Weg verfolgt, in neue Produkte zu reinvestieren. Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen: Wer innerhalb der letzten Jahre mit den immer gleichen Produkten auf den Messen zu sehen war, der wird es in den nächsten Monaten schwer haben. Außerdem haben wir uns sehr intensiv um das Thema Eigenkapital gekümmert. Sprich: Wie wird man unabhängiger von den Banken?
3. Das ist von Branche zu Branche verschieden. Im Finanzumfeld wird uns die Krise sicherlich noch eine Zeit lang in Atem halten. In unserem Fall sehen wir, dass die Kunden zwar aktuell zögern und Aufträge aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus verschieben. Aber das ist kein dauerhaftes Verhalten. Ich denke, dass die nächsten zwei, drei Monate nicht so laufen werden wie wir es uns vielleicht wünschen würden. Aber danach wird sich der Investitionsstau wieder auflösen.
Karin Dürrwächter, Vorstandsvorsitzende Segoni AG, Berlin:
1. Es gibt ganze Branchen, die sich relativ unbeeinflusst von der Krise zeigen; etwa die Medizintechnik oder Teile der Elektrobranche. Auf der anderen Seite erfahren aber natürlich auch wir von teils dramatischen Auftragsrückgängen bei Kunden, die beispielsweise im Automobil- oder Baubereich tätig sind. Aus unserer eigenen Ausrichtung als Hersteller einer Steuerungs- und Controllingsoftware heraus sehen wir für unser Unternehmen naturgemäß auch positive Auswirkungen einer wirtschaftlichen Krise. Die Notwendigkeit zur Stärkung der Effektivität steigt in einer solchen Situation zwangsläufig an. Wir bauen darauf, dass genügend Unternehmer nicht zitternd darauf warten, dass die Krise an ihnen vorübergeht, sondern dass sie die Situation dazu nutzen, ihre internen Prozesse so zu verbessern, dass sie auch in Zeiten konjunktureller Schwäche wirtschaftlich erfolgreich arbeiten können. Dies natürlich möglichst mit Hilfe von Segoni. Insofern sehen wir in der aktuellen Situation für unser Unternehmen eher eine Chance als eine Katastrophe.
2. Wir versuchen, uns nie auf etablierten Prozessen auszuruhen. Durch Kundenbefragungen, interne QS und ConÂtrolling sind wir einem ständigen Optimierungsprozess unterworfen, den wir für sehr wichtig halten und der Philosophie unseres Produktes entspricht. Insofern ist diese Krise für uns kein Grund, unsere bisherigen Strukturen zu ändern oder anzupassen.
3. Wir erwarten, dass wir erst im Jahr 2011 wieder eine ansteigende Konjunktur erleben werden.
Verwandte Beiträge
- Proaktiv in die Zukunft
- Warum investieren Sie gerade in der Krise?
- Massivumformer vorsichtig optimistisch
- Jetzt für die Zukunft planen
- Grundsolider Kleiner Tiger





