Trends & Innovationen
Individuelle Kopfarbeit
04.05.2009
Reverse Engineering: Implantate sind eine Herausforderung fĂŒr die Medizintechnik. Im Uniklinikum Maastricht setzt man auf eine Lösung von Materialise, die eine sichere und risikoarme Herstellung ermöglicht und auch die Operation selbst vereinfacht.
Das Einbringen von Implantaten gehört in der heutigen Zeit zu einem alltĂ€glichen Eingriff, der immer mehr Patienten betrifft. Gerade bei diesem aufwendigen Verfahren sind selbstverstĂ€ndlich die natĂŒrlichen biologischen Eigenheiten der Patienten zu beachten: Jedes einzelne Körperteil ist ein Unikat. Um jeden Patienten mit seinem maĂgeschneiderten Implantat versorgen zu können, bedarf die Operation einer sorgfĂ€ltigen Vorbereitung.
Den ersten Schritt fĂŒr einen sicheren und weniger risikoreichen Weg zur Implantatherstellung liefert die medizinische Bildbearbeitungssoftware Mimics von Materialise. Die Mimics-Software ermöglicht in einem anwenderfreundlichen Umfeld, 2D-Daten aus der Computertomographie (CT) mit Ă€uĂerster Genauigkeit in 3D-Daten umzuwandeln. Sowohl das AusmaĂ der Verletzung eines Patienten als auch die EinschĂ€tzung der genauen Lage kann bereits zu diesem Zeitpunkt erfolgen. Zudem können vielseitige Design- und Engineeringarbeiten direkt an den 3D-Daten der Patienten durchgefĂŒhrt werden.
Das Implantat wird exakt an den Patienten angepasst
Im Anschluss daran bietet 3-matic, die Geometrieaufbereitungs- und Designsoftware von Materialise, die Möglichkeit, das Implantat exakt nach den patientenspezifischen BedĂŒrfnissen zu designen. Die 3-matic Software ermöglicht, die 3D-Daten aus Mimics mit bekannten CAD-Funktionen, Messmethoden, Remesh-FunktionalitĂ€ten und speziellen Tools direkt auf STL-Basis zu bearbeiten. Damit lassen sich laut Hersteller selbst sehr komplexe FĂ€lle erfolgreich bearbeiten und eine hundertprozentige Sicherheit der Implantatpassform gewĂ€hrleisten.
Nachdem die Vorbereitungen fĂŒr die Implantatherstellung mittels Mimics und 3-matic abgeschlossen wurden, wird das reale Implantat hergestellt. Hier können verschiedene Materialien und Technologien wie beispielsweise Stereolithographie, Metallsintern oder FrĂ€sen zum Einsatz kommen. Die Operation kann an dem Prototyp simuliert werden, und der tatsĂ€chliche Eingriff nimmt aufgrund der so bereits getĂ€tigten Vorbereitungen nur noch einen Bruchteil der Zeit einer âklassischenâ Operation in Anspruch. Dies erhöht den âOperationskomfortâ sowohl fĂŒr den Patienten als auch fĂŒr die beteiligten Chirurgen.
Mimics und 3-matic haben sich bereits bei zahlreichen Projekten als kompetente Werkzeuge bewÀhrtt, so auch bei der Herstellung eines SchÀdelimplantats in enger Zusammenarbeit mit dem University Hospital of Maastricht.
Ingenieur Maikel Beerens (âCustom Made Implant Designer IDEEâ) und Dr. Jules Poukens (Cranio Maxillo Facial Surgeon University Hospital of Maastricht) bearbeiteten die CT-Scandaten des SchĂ€dels der verletzten Frau zunĂ€chst mit Mimics. Auf diese Weise wurden sowohl der SchĂ€del als auch die verloren gegangenen KnochenstĂŒcke rekonstruiert. Des Weiteren wurde in Mimics eine Segmentierung ausgefĂŒhrt, um sicherzustellen, dass sich die InnenflĂ€che des Implantates nicht störend auf die Hirnhaut der Patientin auswirkt. TatsĂ€chlich wĂ€re es ohne die weitere Datenbearbeitung in 3-matic zu solchen störenden Auswirkungen auf die Hirnhaut gekommen.
Das Implantat passt wie angegossen
Beerens stellte zahlreiche Implantatdesigns in 3-matic her, die er immer wieder mit
den Chirurgen abstimmte, um schlieĂlich das optimale Implantat zu kreieren. Die Materialise-Software ermöglichte es, die KrĂŒmmungen des Implantates so abzubilden, dass es perfekt in den SchĂ€del der Patientin passen sollte. â3-matic ist benutzerfreundlich und schnellâ, erklĂ€rt Beerens. âEs erleichtert mir die Arbeit mit komplexen STL-Dateien wie den 3D-Dateien aus CTs, MRIs und anderen Scandaten.â
Die tatsĂ€chliche Implantatherstellung ĂŒbernahm das schwedische Unternehmen Arcam mittels Electron Beam Melting (EBM). Das Implantat wurde aus Titanium Ti6Al4V angefertigt. Zum ersten Mal in der Geschichte der humanen SchĂ€delimplantation wurde Additive Fabrication (AF) fĂŒr die Herstellung eines Implantates angewendet. TatsĂ€chlich passte dieses Implantat wie angegossen und verheilte ohne Komplika-tionen.
Verwandte Beiträge
- âSpezifische individuelle StĂ€rkenâ
- Software mit Biss
- Schnelle UnterstĂŒtzung
- Schneller zum Modell
- Entwicklung innovativer Medizinprodukte




