Benchmark
Serie: Lernen von den Besten
Proaktiv in die Zukunft
04.05.2009
Serie Teil 21: werkzeug&formenbau stellt in dieser Serie erfolgreiche Werkzeug- und Formenbauer aus dem deutschsprachigen Raum vor und berichtet detailliert über deren Stärken und warum sie so wettbewerbsfähig sind. Heute: Summerer Technologies, Schechen, und Wiro Präzisions-Werkzeugbau, Olpe-Saßmicke.
Gerade jetzt, in schwierigen Zeiten, ist es wichtig, sich von seinen Wettbewerbern zu unterscheiden und seinen Kunden einen Mehrwert zu bieten, den sie anderswo nicht bekommen. Eine sehr gute Strategie dabei ist, nicht nur auf konkrete Aufträge zu hoffen, sondern selbst die Initiative zu ergreifen, die Hand am Puls des Marktes zu haben und neue Trends und Technologien nicht nur zu erspĂĽren, sondern sich mit Eigenentwicklungen an die Spitze zu setzen. Die beiden heute vorgestellten Unternehmen aus der Kategorie „Externer Werkzeugbau unter 100 Mitarbeiter” – Finalist Summerer Technologies in Schechen bei Rosenheim und Wiro Präzisions-Werkzeugbau in Olpe, bereits zum zweiten Mal Gesamtsieger des Wettbewerbs „Excellence in Production” – haben das erkannt und in ihrem jeweiligen Feld klare Zeichen gesetzt.90 Prozent Exportanteil
Wiro ist ein weltweit gefragter Spezialist, wenn es um Werkzeuge fĂĽr Kunststoff-Verschlusskomponenten geht: Rund 90 Prozent der Aufträge kommen aus dem Ausland. „Und das ist im Moment auch unser wunder Punkt – die internationalen Märkte sind noch deutlich stärker eingebrochen als der heimische Markt”, erklärt Reiner Rohlje, GeschäftsfĂĽhrer des Unternehmens. „So trifft uns als exportorientiertes Unternehmen die derzeitige Krise auch besonders hart.”
NatĂĽrlich macht sich auch Rohlje durchaus Gedanken ĂĽber die Zukunft seines Unternehmens im Zeichen eingebrochener Auftragszahlen. Aber er sieht durchaus auch Chancen in der derzeitigen Situation: „Jetzt ist die Zeit, in der man seinen Betrieb einmal genauer durchleuchten kann, in der man die Abläufe auf den PrĂĽftsand stellen und Prozesse straffen sollte”, erklärt er. „Wer liquide ist, kann die jetzt vielfach gĂĽnstigen Einkaufskonditionen auch fĂĽr Neuinvestitionen nutzen. Jetzt sollte alles unternommen werden, was dabei hilft, sich optimal aufzustellen fĂĽr die Zeit, wenn die Aufträge wieder kommen. Denn jetzt fällt in den Betrieben weniger Arbeit an – das sollte man beispielsweise auch nutzen, seine Mitarbeiter weiterzuqualifizieren und damit letztlich auch sein eigenes Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen.
Als verantwortlich denkender Unternehmer hat Rohlje in den vergangenen „fetten” Jahren vorgesorgt, Kurzarbeit oder gar Entlassungen sind bei ihm deshalb glĂĽcklicherweise noch kein Thema: „Als die Wirtschaft noch rund lief, die dunklen Wolken der Krise aber schon am Horizont zu sehen waren, haben unsere Mitarbeiter ihre Stundenkonten angefĂĽllt. Zusammen mit den Aufträgen, die wir jetzt unter Dach und Fach haben, und dem ĂĽblichen Sommerurlaub kommen wir noch ganz gut in den Herbst”, erklärt er. „Im Moment geht es fĂĽr uns wie fĂĽr viele Unternehmen in erster Linie darum, auch langfristig die Liquidität zu behalten – und Aufträge zu bekommen. Ich denke, wir mĂĽssen im Moment alle kämpfen.”
Gerade jetzt Präsenz zeigen
Im diesem Kampf um die Aufträge hilft Rohlje, dass er sein Unternehmen in guten Zeiten entsprechend aufgestellt hat und zu marktfähigen Preisen anbieten kann. „Wichtig ist gerade jetzt, präsent zu sein, zu Kunden hinauszufahren, auf Messen zu gehen, auf sich aufmerksam zu machen”, betont Rohlje. Die Werkzeugexperten in Olpe halten gerade jetzt engen Kontakt zu ihren Kunden, halten auch die Ohren offen, versuchen, aktiv Lösungen zu Problemen zu erarbeiten, von denen sie so erfahren. Umfassender Service und eine enge Orientierung an den KundenbedĂĽrfnissen spielen bei Wiro nicht erst zu Krisenzeiten eine sehr wichtige Rolle. Und die Kunden schätzen und honorieren das Engagement.
Innovative, effiziente Produkte in hoher Qualität sind ein weiteres Plus – die Werkzeugspezialisten in Olpe haben in den vergangenen Jahren beispielsweise selbst Werkzeugkonzepte entwickelt, konnten ihren Kunden damit klare Produktivitätsvorteile in der Fertigung verschaffen. Das zahlt sich jetzt aus: Bislang konnten alle Eigenentwicklungen mehrfach verkauft werden.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass in den vergangenen Jahren stetig in neue, rationelle Technik investiert wurde. Nicht nur in Maschinen, sondern auch in einen durchgängigen Informationsfluss. Das ermöglicht schlanke Prozesse und eine gĂĽnstige Kostenstruktur: „In schwierigen Zeiten ist es umso wichtiger, zu wissen, was ein Werkzeug genau kostet – nur so kann man in der Kalkulation ans Limit gehen”, erklärt Rohlje. „Und manchmal – insbesondere bei guten Kunden – auch darĂĽber hinaus. Denn verglichen mit einigen unserer Geschäftspartner geht es uns im Werkzeugbau noch richtig gut.”
Auch bei Summerer Technologies in Schechen wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. „Hätten wir damals schon gewusst, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickelt, wäre die Planung dafĂĽr vielleicht eine Nummer kleiner ausgefallen”, erklärt Franz Summerer, geschäftsfĂĽhrender Gesellschafter des Unternehmens. Trotzdem: Bereut hat er die Investition nicht. In der neu gebauten Halle des Technologie-Centers steht eine neue 35 000 kN-Wendeplatten-SpritzgieĂźmaschine (QTI 3150) von Husky, vor dem Boliden zwei Kuka-Roboter fĂĽrs Handling. „Die Anlage ist fĂĽr die Abnahme von Kundenwerkzeugen bestimmt”, erklärt Summerer. „Wir versprechen eine produktionsfertige Lösung – und das wollen wir bei uns im Haus auch entsprechend durchspielen und präsentieren können.”
An der Spitze einer Technologie
Summerer hat sich auf Glazing spezialisiert – eine Technologie, die zur Herstellung transparenter Scheiben aus Kunststoffmaterialien dient und konventionelle Glasscheiben ersetzen soll. Aus GewichtsgrĂĽnden interessant vor allem auch fĂĽr die
Automotive-Industrie im Zeichen der Forderung nach immer sparsameren, energieeffizienten Autos.
Im Unternehmen wurde einiges an Pionierarbeit geleistet: „Auf die GrundzĂĽge des Verfahrens sind wir anlässlich einer Kunststoffmesse gestoĂźen – dort wurden relativ kleine WerkstĂĽcke gezeigt. Wir haben es dann verfeinert und zur Marktreife gebracht”, erläutert Summerer. „Insbesondere haben wir die Technologie mit unserem Know-how auf größere WerkstĂĽcke ĂĽbertragen und konnten uns so zusammen mit unseren Kooperationspartnern den Auftrag fĂĽr die Werkzeuge holen, auf denen bei Webasto das 1,2 m2 groĂźe PanoramaÂdach aus Polycarbonat fĂĽr den Smart fortwo gefertigt wird.” Das IMPmore-SpritzgieĂźwerkzeug von Summerer läuft dort auf einer 27 000 kN-Wendeplatten-SpritzgieĂźmaschine von Battenfeld. Das WerkstĂĽck ist ĂĽbrigens bislang das größte Polycarbonatdach der Welt.
Was hier so einfach klingt, war freilich ein langer Prozess, bei Summerer flieĂźen sicher mehr als zehn Prozent vom Umsatz in Forschung und Entwicklung. „Wir hatten durchaus Durststrecken – nicht nur wegen technischer Kniffligkeiten, sondern auch wegen des Gegenwindes seitens der Glaslobby”, erklärt Summerer. „Aber uns trieb auch die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein und weltweit an der Spitze einer wegweisenden Technologieentwicklung zu stehen – diese Chance haben nicht allzu viele Unternehmen. Jetzt gilt es, nicht stehen zu bleiben, sondern die Verfahren stetig weiterzuentwickeln und zu optimieren.”
Dieser Pioniergeist, aber auch die Hightech-Ausstattung tragen dazu bei, dass die Fluktuation bei Summerer gering ist: „Wir sind ein junger Laden und bieten unseren Mitarbeitern entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten”, erklärt Summerer. „So kommen beispielsweise alle unsere Konstrukteure aus der Werkstatt – das erleichtert die Zusammenarbeit ĂĽber die Abteilungen hinweg ungemein.”
Im Mittelpunkt steht der Mensch
Eine wichtige Rolle spielt auch die Unternehmenskultur – der Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt. „Gegenseitiges Vertrauen und Loyalität ist ein essentieller Pfeiler unseres Unternehmens” betont Summerer. „Und zwar sowohl intern als auch extern, gegenĂĽber Kunden und Lieferanten.”
Das bedeutet fĂĽr die Unternehmensleitung auch, in der derzeitigen Situation klare Signale zu senden: „Wer jetzt in der Krise seinem Sparreflex nachgibt, Mitarbeiter kĂĽndigt und alle Ausgaben einfriert, um Substanz zu erhalten, handelt nicht proaktiv”, erklärt Summerer. „Gefordert sind kreative Lösungen, ein Denken ĂĽber die nächsten Wochen hinaus. Unsere Mitarbeiter mĂĽssen gerade jetzt ruhig schlafen können. Und unsere Kunden und Lieferanten mĂĽssen auf uns vertrauen können. Dann haben wir unser Ziel erreicht.”
BegrĂĽndungen der Jury
Wiro Präzisions-Werkzeugbau GmbH & Co. KG, Olpe
Das 1971 gegründete Familienunternehmen Wiro wird in der zweiten Generation geleitet, die dritte Generation ist bereits im Unternehmen tätig. Das Unternehmen ist von drei Mitarbeitern auf heute 38 gewachsen. Der Werkzeugbau ist spezialisiert auf technologisch anspruchsvolle Werkzeuge für Schraubkappen, Verschlüsse und Tubenkomponenten. Die Hochleistungs-Werkzeuge werden weltweit vertrieben, der Exportanteil liegt insgesamt über 90 Prozent; 80 Prozent der Werkzeuge gehen in Länder außerhalb Europas. Neben vollständigen Teilekonstruktionen und der Abmusterung auf eigenen Maschinen bis zur Inbetriebnahme beim Kunden wird ein umfassendes Leistungsspektrum geboten. Die weltweite Vor-Ort-Präsenz, eine überdurchschnittlich hohe Werkzeugqualität sowie ein schnelles und unkompliziertes Ersatzteilmanagement ermöglichen den Erfolg auf Exportmärkten auch in Niedriglohnländern.
Summerer Technologies GmbH & Co. KG, Schechen
Das Unternehmen Summerer Technologies exisÂtiert seit 1988 in Schechen bei Rosenheim. Als Automobilzulieferer bietet Summerer seinen Kunden Formen fĂĽr das Glazing (Verscheibung), AuĂźenspiegel-, Holzdekor- und Verkleidungsherstellung an. Das äuĂźerst innovative Unternehmen ist TechnologiefĂĽhrer in diesen Bereichen und hat sich als Problemlöser positioniert. So wurde zum Beispiel das Panoramadach fĂĽr den Smart fortwo bei Summerer entwickelt. Seit Januar 2008 steht dem Unternehmen ein modernes Technologie-Zentrum fĂĽr die Entwicklung und Abmusterung der serientauglichen Werkzeuge des Kunden sowie fĂĽr die Produktion von Nullserien zur VerfĂĽgung. Nach eigenen Angaben sind die zwei weltgrößten 2-K-Wendeplatten mit 35 500 KN und zwei 6-Achs-Roboter fĂĽr die Erprobung und Entwicklung im Einsatz.
Stärkeprofile
Wiro Präzisions-Werkzeugbau GmbH & Co. KG, Olpe
- Nutzung globaler Absatzmärkte
- starke Fokussierung auf den Kundennutzen: Dem Kunden wird ein Gesamtpaket geliefert.
- hohe Qualität (It´s Wiro – It´s OK”)
- hoher Grad an Innovationsfähigkeit und -bereitschaft, Zuverlässigkeit, ständiger Kundenkontakt vor Ort, schnelle Hilfe bei Ausfällen, hohe Kulanz und Flexibilität
- partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten
- proaktive Integration in Kundenprozesse.
- projektunabhängiges Budget für Entwicklungsleistungen im eigenen Haus
Summerer Technologies GmbH & Co. KG, Schechen
- TechnologiefĂĽhrer im Bereich automobiler Kunststoff-AuĂźenhautteile
Innovationstreiber in der Werkzeugtechnologie (insgesamt 40 bewilligte Patente seit 1997) - hohes Know-how in allen Verfahren sowie äußerst moderner Maschinenpark
- GroĂźinvestition in 3500t-Drehtisch-SpritzgieĂźmaschine zur Bereitstellung serientauglicher Werkzeuge und eingefahrener Prozesse
- Gezielte Reduktion des Energieverbrauchs im Gebäudemanagement
Im Profil
Wiro Präzisions-Werkzeugbau GmbH & Co. KG, Olpe
- Produkte: Hochleistungs-Spritzgießwerkzeuge für Verschlusskomponenten, hohe Kavitätszahlen
- Kunden: Verpackungsindustrie, Exportanteil 90 Prozent
- Maschinenpark: sehr neu – Durchschnittsalter rund drei Jahre. Diverse Maschinen zum HSC- und CNC-Fräsen, Senkerodieren, CNC-Koordinatenschleifen, CNC-Rundschleifen, CNC-Drehen etc. SpritzgieĂźmaschinen zum Abmustern bis 440 t SchlieĂźkraft
- Mitarbeiter. 38 (davon 7 Auszubildende)
- Umsatz 2008: 10 Mio. Euro
- Auftragsbestand: ca. 15 Wochen
- Besonderheiten: Familienunternehmen in der 2. Generation (drei Generationen im Unternehmen tätig). Hohe Kundenorientierung; schnelle und unbürokratische Hilfe, hohe Kulanz in der Abwicklung und hohe Flexibilität
- Kontakt: Wiro Präzisions-Werkzeugbau GmbH & Co. KG, D-57462 Olpe-Saßmicke, Tel.: 02761/3003, www.wiro.com
Summerer Technologies GmbH & Co. KG, Schechen
- Produkte: Spritzguss-Formen, Teilefertigung
- Kunden: vorwiegend Automotive
- Maschinenpark: für Werkzeuge bis 120 t
- Mitarbeiter. 60 (davon 10 Auszubildende)
- Besonderheiten: Technologieführer im Glazing insbesondere bei großen Werkstücken. Sehr junges, dynamisches Unternehmen mit flachen Strukturen und hoher Flexibilität
- Kontakt: Summerer Technologies GmbH & Co. KG, D-83135 Schechen-Rosenheim, Tel.: 08039/90767-0, www.summerer.com
Verwandte Beiträge
- Jetzt fĂĽr die Zukunft planen
- Optimistisch in die Zukunft
- Qualität überzeugt
- Die besten Werkzeugbau-Unternehmen 2009
- Benchmark-Serie 2005-2007




