Pressen & Umformen

Stanzwerkzeuge

Alles in einer Aufspannung

08.07.2009

Bearbeitungszentrum: Die Lohnfertigung hochgenauer Stanz- und Schnittwerkzeuge ist ein TĂ€tigkeitsfeld von Mahr Metering Systems. Das HSC-Bearbeitungszentrum RHP 800 von Röders, das HSC-FrĂ€sen, Koordinatenschleifen und Messen in einer Aufspannung ermöglicht, konnte alle Anforderungen erfĂŒllen.

24-01Angesichts der MassivitĂ€t von Schneidbacken fĂŒr Umformwerkzeuge im Karosseriebereich und der beeindruckenden Abmessungen der Werkzeuge, in denen sie zum Einsatz kommen, erstaunt zunĂ€chst, dass es bei ihrer Herstellung auf Genauigkeit im Mikrometerbereich ankommt. Bei diesen Werkzeugen bilden getrennt gefertigte Backen jeweils gegenlĂ€ufige Schneiden. Optimales Schnittverhalten ist nur zu erreichen, wenn das Spaltmaß zwischen den Schneiden Ă€ußerst prĂ€zise ĂŒber die gesamte Kontur eingehalten wird. Schon kleine Geometrieabweichungen können unerwĂŒnschte Verformungen der Blechkanten oder drastisch steigende Belastungen des Werkzeugs aufgrund von KlemmkrĂ€ften verursachen. Die Folge sind QualitĂ€tseinbußen, höhere Instandhaltungsaufwendungen sowie verringerte Lebensdauer der Schneidbacken.

Mikrorisse wirksam verhindern
Werden solche Backen per Funkenerosion hergestellt, muss die „weiße Schicht” manuell abgeschliffen werden, da sie nicht nur schnell verschleißt, sondern aufgrund ihrer Mikrorisse auch die Bildung von Rissen und BrĂŒchen im Bereich der Schneidkanten begĂŒnstigt. Manuelles Nachbearbeiten fĂŒhrt indes zu ungleichmĂ€ĂŸigen Formen und Geometrieabweichungen. „Vor etwa vier Jahren begannen wir, uns nach einer neuen, flexibleren Produktionstechnologie umzusehen”, erklĂ€rt Richard Schad, Produktionsleiter bei Mahr Metering Systems in Göttingen. „Um die WettbewerbsfĂ€higkeit weiter ausbauen zu können, ist es notwendig, zunehmend komplexere Bauteile unter Einhaltung der sehr hohen eigenen QualitĂ€tsanforderungen kostengĂŒnstiger, schneller und flexibler zu produzieren als der Wettbewerb.”

Diese Steigerung der ProduktivitÀt setzt die Optimierung der notwendigen Prozessketten hinsichtlich folgender Zielgrössen voraus:

  • Automatisierung, um die Nebenzeiten erheblich zu verkĂŒrzen,
  • Reduzierung der Hauptzeiten durch höhere Schnitt- und Vorschubgeschwindigkeiten
  • Verringerung der manuellen Nacharbeit durch Erhöhung der Bearbeitungsgenauigkeit
  • Reduktion der Durchlaufzeit durch Kombination neuer Fertigungstechnologien wie HartfrĂ€sen, Hochgeschwindigkeitsschleifen, LĂ€ngen- und Formmessung auf einer Bearbeitungsmaschine

Rasche Fortschritte bei Schneidstoffen, Werkzeugkonzepten und der Maschinen- und Steuerungstechnik ermöglichen es heute, hoch vergĂŒtete und gehĂ€rtete Werkzeug- und SchnellarbeitsstĂ€hle wirtschaftlich mittels HSC-HartfrĂ€sen zu bearbeiten und so das Erodieren in den meisten FĂ€llen abzulösen.

FrÀsen als schnelle Alternative
Alternativ zur Funkenerosion wurde daher der Einsatz eines HSC-FrĂ€sbearbeitungszentrums höchster Genauigkeit geprĂŒft. In einem umfassenden Qualifizierungsverfahren wurde die Eignung der Modelle der am Markt fĂŒhrenden Hersteller beurteilt. „Ausschlaggebend fĂŒr die Entscheidung zugunsten der Röders-Technologie war, dass sie die beste Kombination der fĂŒr uns wesentlichen Kriterien bietet und uns die Maschine beim Koordinatenschleifen mit ihrer Genauigkeit ĂŒberzeugt hat”, erlĂ€utert Schad. Neben der erforderlichen Genauigkeit weist die Maschine auch die Steifigkeit auf, um alle Materialen von Alu bis zu gehĂ€rteten WerkzeugstĂ€hlen mit hoher Leistung zu bearbeiten.

Ebenso entscheidend war jedoch auch, dass die Anlage es gestattet, alle wichtigen Prozessschritte – FrĂ€sen, Koordinatenschleifen sowie 3D-Vermessung – in der Maschine auszufĂŒhren. Die stĂ€ndige Kontrolle der Bearbeitungsergebnisse bei Mahr zeigt, dass die RHP 800 die geforderte Genauigkeit bei der Bearbeitung ebenso wie bei der Vermessung auch nach inzwischen mehr als 2,5 Betriebsjahren prozesssicher einhĂ€lt. Die Umstellung der Fertigung der Schneidbacken auf eine abschließende HartfrĂ€s- und Schleifbearbeitung im auf 65 HRC gehĂ€rteten Zustand mit der Röders RHP 800 brachte erhebliche Vorteile. Dabei wird die Geometrie der zur Begrenzung der SchnittkrĂ€fte dreidimensional geschwungenen SpanflĂ€che durch HartfrĂ€sen, die Geometrie der FreiflĂ€che dagegen durch HSC-FrĂ€sen und abschliessendes Koordinatenschleifen erzeugt.

Wesentlich höhere Standzeiten
Die dabei erzielte Genauigkeit ist so gut, dass die Schneidbacken im Einsatz wesentlich höhere Standzeiten erreichen. Besonders interessant ist fĂŒr die Anwender zudem, dass mit der RHP erzeugte Ersatzteile fĂŒr verschlissene Backen so gut passen, dass nach einem Austausch sofort weiter produziert werden kann. „So können wir als Lohnfertiger die Vorteile unserer Technologie voll ausspielen”, erklĂ€rt Schad. „Neben kurzen Durchlaufzeiten können wir dank der mannarmen Fertigung diese AuftrĂ€ge sehr wirtschaftlich bearbeiten. Unser Auftraggeber schĂ€tzt neben der gesteigerten Lebensdauer und Genauigkeit der Backen vor allem auch die kurzen Lieferzeiten, die uns mit der neuen Technologie jetzt möglich sind.”

Profil Mahr GmbH
Mahr ist eine weltweit operierende, mittelstĂ€ndische Unternehmensgruppe der InvestitionsgĂŒterbranche, deren Name traditionell mit den Begriffen Fertigungsmesstechnik, QualitĂ€t und Innovation verbunden ist. Neben hochwertigen MessgerĂ€ten zum PrĂŒfen der WerkstĂŒckgeometrie sind auch hochprĂ€zise Zahnradpumpen (Spinnpumpen) und hochgenaue KugelfĂŒhrungen als universelles Bauelement fĂŒr mechanische Konstruktionen wesentliche Bestandteile des Produktprogramms. Ein weiteres Feld ist die Lohnfertigung im Werkzeugbau. Hauptkunden sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau, feinwerktechnische Betriebe (auch aus den Bereichen Optik und Elektronik) und fĂŒr Zahnradpumpen die Hersteller von Synthesefasern, Elastomeren, deren Zulieferer und allgemein die kunststoffverarbeitende Industrie. Der konsolidierte Umsatz in der Gruppe lag 2007 bei 180 Mio. Euro, insgesamt beschĂ€ftigt Mahr weltweit rund 1800 Mitarbeiter.

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Röders TEC RHP 800
Das speziell mit Blick auf den Formen- und Werkzeugbau konzipierte Bearbeitungszentrum RHP 800 ermöglicht die Kombination der ArbeitsgĂ€nge HSC-FrĂ€sen, Koordinatenschleifen und Messen in einer Aufspannung. Die Verfahrwege der Achsen liegen bei 800 x 750 x 500 mm, der Tisch mit den Abmessungen 900 x 838 mm kann mit WerkstĂŒckgewichten bis 800 kg belegt werden. Statt des 30-fach-Werkzeugwechslers steht optional ein Kettenwechsler mit 54 Positionen zur VerfĂŒgung. Besonderer Wert wurde auf höchste Genauigkeit gelegt: Hydrostatische FĂŒhrungen, direkte Linearantriebe, ein ausgefeiltes Temperaturmanagement, eine hochgenaue SpindellĂ€ngungskompensation sowie eine integrierte Werkzeugreinigung und -vermessung sind Garanten fĂŒr hohe Genauigkeit. Standardausstattung ist eine Spindel mit 17 kW und 36.000 min-1 mit einer HSK50-Werkzeugschnittstelle, alternativ sind Spindeln mit Drehzahlen bis 70.000 min-1 verfĂŒgbar. Spezielle Befehle der Röders-Steuerung ermöglichen die parametrisierte, automatisierte Abwicklung von Schleifaufgaben.


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