Spritzen & Giessen

Spritzgießwerkzeuge

Die ProduktivitĂ€t macht’s

08.07.2009

Bearbeitungszentrum: Schnell, prozesssicher und prĂ€zise sollte die neue Maschine sein, dazu den Bediener möglichst wenig binden: Beim Formenbau Koller entschieden sich die Verantwortlichen fĂŒr eine Matsuura MAM72-63V – eine in ihrer Klasse hochpreisige Maschine, die aber auch rund um die Uhr SpĂ€ne machen soll.
15-01Die Strategie, die die BrĂŒder Max und Thomas Koller fahren, ist klar: „Wer wettbewerbsfĂ€hig bleiben will, muss seine Maschinen bestmöglich auslasten. Das gilt gerade im Werkzeug- und Formenbau”, betont Thomas Koller. „Wenn wir mit unserem Werkzeugspektrum gegenĂŒber Anbietern aus BilliglohnlĂ€ndern wettbewerbsfĂ€hig bleiben wollen, mĂŒssen wir unsere Maschinen mindestens zu 85 bis 90 Prozent auslasten. Nur so bekommen wir akzeptable StundensĂ€tze und damit auch vermittelbare Preise.”

QualitĂ€t wird als selbstverstĂ€ndlich vorausgesetzt. Neben dem Preis sind die Schnelligkeit und die hohe VerlĂ€sslichkeit der Werkzeug- und Formenbauer aus OberbĂŒrg fĂŒr die Kunden insbesondere aus dem Automobilbereich wichtige Faktoren.

Garantierte VerfĂŒgbarkeit
„Wir lassen uns deshalb von unseren Maschinenpartnern die VerfĂŒgbarkeit der Maschine, insbesondere der Spindel vertraglich garantieren”, erklĂ€rt Koller. „Das machen zwar nicht alle, aber wer uns das nicht garantieren kann oder will, wird bei uns keine Maschine verkaufen.” Die Investition in eine Maschine muss sich schließlich rechnen.

Schon seit Jahren arbeiten die Werkzeug- und Formenbauer im Schichtbetrieb – auch am Wochenende und in der Nacht laufen die Maschinen. „Unsere Mitarbeiter sind hochqualifiziert, stĂ€ndige Weiterbildungen sorgen dafĂŒr, dass sie stets auf einem aktuellen Stand sind”, erklĂ€rt Koller. „Das schĂ€rft auch das Bewusstsein fĂŒr neue Technologien und neue Möglichkeiten.”

Aus einem Garagenbetrieb ist im Lauf von 15 Jahren ein Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern entstanden, davon allein 120 im Werkzeug- und Formenbau. Im Laufe der Expansion ihres Unternehmens achteten Max und Thomas Koller stets darauf, technisch auf dem aktuellen Stand zu bleiben. „Wer stehenbleibt, wird ĂŒber kurz oder lang zu den Verlierern gehören”, erklĂ€rt Thomas Koller. „Bei Investitionen in Maschinen lohnt es sich, langfristig zu denken – auch ĂŒber den aktuellen Auftragshorizont hinaus. Deshalb setzen wir beim Kauf neuer Maschinen auf 5-Achs-Systeme. So können wir mit relativ kurzen Werkzeugen in einer Aufspannung fertigbearbeiten.”

Weitestgehende Automatisierung
Weitere Faktoren sind die weitestgehende Automatisierung der Maschinen und der konsequente Einsatz eines Nullpunkt-Spannsystems.

Mehrmaschinenbedienung ist bei Koller Pflicht. „Hier mĂŒssen Werkzeug- und Formenbauer umdenken”, betont Koller. „Eine gute Arbeitsvorbereitung kann die Prozesse so einsteuern, dass der Mann an der Maschine den RĂŒcken frei hat.”

Auch die Matsuura MAM72-63V ist eine 5-Achs-Maschine, die mit integriertem 2-fach-Palettenwechsler auf hohe Automatisierbarkeit ausgelegt ist. Ihre Verfahrwege liegen in X/Y/Z bei 760 x 845 x 660 mm. Ihre Spindel leistet maximal 22 kW, der Drehzahlbereich liegt zwischen 40 und 20 000 min-1. Als Steuerung kommt bei Koller eine Siemens 840D zum Einsatz. In KĂŒrze wird die Maschine auf einen 6-fach-Palettenwechsler umgerĂŒstet.

Auf die Matsuura kamen die Verantwortlichen ĂŒber ihren Werkzeugmaschinen-Partner Dremo: „Sie war mit die teuerste Maschine, die wir in einem intensiven Vergleich unter die Lupe genommen hatten, erklĂ€rt Koller. „Aber bei ganzheitlicher Betrachtung aller Faktoren auch die preiswerteste.” Bei dieser Bewertung spielen die garantierte ZuverlĂ€ssigkeit ebenso eine Rolle wie die hohe Wiederholgenauigkeit, die PrĂ€zision und die Performance der Maschine: „Sie ist höchst solide aufgebaut, und die bei Matsuura gefertigte Spindel ist hervorragend auf das Gesamtkonzept abgestimmt – sie ist fĂŒr krĂ€ftiges, schnelles Schruppen ebenso ausgelegt wie fĂŒr prĂ€zises Schlichten. Wir bearbeiten auf der Maschine StĂ€hle bis 60 HRC. Das macht die Maschine problemlos mit. Sie beruht auf einem Konzept, das auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist.”

Matsuura ist der japanische Hersteller, der wohl mit Abstand am meisten 5-Achs-Maschinen baut. Viel Wert gelegt wird auf hohe Wiederholgenauigkeit – sie liegt im ”m-Bereich, auch beim Palettenwechsler. Auf der Maschine entstehen bei Koller in erster Linie Schieber, komplexe SchrĂ€gschieber und andere hochgenaue Werkzeugkomponenten. 120 PrĂ€zisionswerkzeuge werden stĂ€ndig im Magazin bereit gehalten. Ein Palettenwechsler war ein Muss: Um die Maschine nicht auszubremsen war „hauptzeitparalleles RĂŒsten” eine klare Vorgabe.

Höchste Wiederholgenauigkeit
„Neben der hohen Genauigkeit und den sehr guten Leistungsdaten der Maschine ist fĂŒr uns auch ein guter Service unerlĂ€sslich”, erklĂ€rt Koller. „Und da fĂŒhlen wir uns bei Matsuura gut aufgehoben – die haben es geschafft, in Deutschland eine entsprechende Struktur mit kompetenten eigenen Leuten aufzubauen. Weiteres Plus: Matsuura kennt nur A-Kunden – fĂŒr die sind alle Anwender gleich wichtig, egal, ob sie ein Dutzend oder nur eine Maschine haben.”

Das Team der Werkzeug- und Formenbauer bei Koller ist sehr jung: „Wir haben die meisten unserer Leute selbst ausgebildet. Es sind in der Regel hochqualifizierte FachkrĂ€fte, die verantwortlich und unternehmerisch mitarbeiten und mitgestalten und den Ehrgeiz haben, etwas zu bewegen”, erklĂ€rt Koller. „Sie versuchen, ihr Know-how schon möglichst frĂŒh in den Prozess einfließen zu lassen.” Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es in der Phase der Bearbeitung keine Unsicherheiten mehr geben darf: „Was von den Maschinen kommt, muss auf Anhieb passen, Nacharbeit sollte weitestgehend vermieden werden. Und dafĂŒr bietet die Matsuura mit ihrer hohen PrĂ€zision beste Voraussetzungen.”

Das sagt die Redaktion
Umdenken!
Bei Koller wird eindrucksvoll deutlich, was möglich ist – vorausgesetzt, man investiert in seine Mitarbeiter und in seine Technologie und stellt Althergebrachtes auf den PrĂŒfstand. Nicht immer lohnt es sich, traditionelle Arbeitsweisen und -ablĂ€ufe beizubehalten, nur weil sie sich ĂŒber Jahre bewĂ€hrt haben. Die Zeiten haben sich geĂ€ndert, und mit ihnen haben sich auch die Anforderungen drastisch gewandelt. Wer stehen bleibt, wird von der Entwicklung ĂŒberholt. Und gerade die aktuelle Krise zeigt: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.


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