Engineering & Dienstleistung
Prototypenbau
Praktisch keine RĂŒstzeiten mehr
08.07.2009
Automatisierung: Haller PrÀzision investiert 1,2 Mio. Euro unter anderem in ein Flexibles Fertigungssystem Hermle C 40 U RS 2. Gerade in Krisenzeiten will sich das auf Prototypenbau und Einzelteilfertigung spezialisierte Unternehmen breiter aufstellen und mit Automatisierung die Nebenzeiten drastisch reduzieren.

Je komplexer ein Fertigungsteil und je geringer die LosgröĂe, desto höher in der Regel der Personalaufwand. Haller PrĂ€zision in Bermatingen wollte diese Wechselbeziehung durchbrechen: Um weitere Prozessschritte zu automatisieren, hat Unternehmenschef Oliver Haller gerade 1,2 Mio. Euro in die Erweiterung seines Maschinenparks investiert. Damit will das Unternehmen zum kostengĂŒnstigen Nischenanbieter fĂŒr die Fertigung von Nullserien, Prototypen und Ersatzteilen avancieren.
âWir setzen dabei auf die neueste Generation der Hermle-Bearbeitungszentren – davon erwarten wir uns auch bei höchst komplexer Fertigung eine weitgehende Produktionsautomatisierung”, erklĂ€rt Haller. Der Maschinenbauer Hermle und dessen Automatisierungstochter realisierten den Auftrag zur Erweiterung des Maschinenparks des badischen MittelstĂ€ndlers.
HerzstĂŒck der Installation ist das flexible Fertigungssystem C40 U RS 2 des Gosheimer Herstellers. Konzipiert als vollautomatische Anlage, gehören ein 5-Achsen-Hochleistungsbearbeitungszentrum C 40 U, ein 6-Achsen-Roboter mit Schutzumhausung, mehrere WerkstĂŒckspeicherregale, ein RĂŒstplatz sowie Wechsel-Paletten und die Spanntechnik-Peripherie zum Gesamtsystem.
Praktisch keine RĂŒstzeiten
Das flexible Fertigungssystem ist fĂŒr den Automatikmodus ausgelegt, wobei das Bearbeitungszentrum fĂŒr manuelle BearbeitungsvorgĂ€nge auch abgekoppelt werden kann, ohne dass der Zugang verbaut ist. âDie Robotertechnik soll dafĂŒr sorgen, dass die RĂŒstzeiten fĂŒr die Maschine gegen null tendieren”, erlĂ€utert Haller. âPraktisch keine RĂŒstzeiten und verlĂ€ngerte Laufzeiten bedeuten fĂŒr uns eine insgesamt gesteigerte ProduktivitĂ€t bei gleichzeitiger Einhaltung von höchsten QualitĂ€ts- und PrĂ€zisionsstandards der gefertigten Teile.” Alle Bearbeitungsprogramme fĂŒr die CNC-Maschinen werden auf dem CAD/CAM-System AlphaCAM der Licom Systems GmbH erstellt.
In der rund 1000 m2 groĂen Werkshalle von Haller PrĂ€zision stehen nun insgesamt drei CNC-Bearbeitungszentren der C-Baureihe von Hermle. Komplexe AuftrĂ€ge können von den zehn Mitarbeitern des Unternehmens auf diesen Maschinen bei einem hohen MaĂ an Prozesssicherheit bearbeitet werden. Nacharbeiten fallen aufgrund der sehr hohen OberflĂ€chengenauigkeit so gut wie nicht an. Das spart zusĂ€tzlichen personellen Aufwand – also auch zusĂ€tzliche Kosten.
Neue MĂ€rkte erschlieĂen
Mit dem weiter automatisierten technischen Equipment möchte sich der Dreh- und FrĂ€sspezialist neue MĂ€rkte erschlieĂen: Im Blick hat Oliver Haller Auftraggeber, die die Fertigung entsprechend komplexer Teile in kleinen LosgröĂen benötigen. âFĂŒr die Bereiche Forschung und Entwicklung, Prototyping und Ersatzteilproduktion sind wir optimal aufgestellt”, erklĂ€rt Haller. âAls spezialisierter Nischenanbieter können wir unsere Kompetenz hier voll ausspielen.” Ausgefeilte Messtechnik soll insbesondere beim Prototypenbau und in der Einzelteilfertigung ein HöchstmaĂ an PrĂ€zision und QualitĂ€t entlang der gesamten Produktionslinie garantieren.
Trotz des derzeit wirtschaftlich schwierigen Umfelds sieht Haller Bedarf an kleinen LosgröĂen: âWenn weniger Autos gekauft werden, gehen zwar die Produktionszahlen in der Teilefertigung zurĂŒck”, erklĂ€rt er. âWer aber Autos und Maschinen der Zukunft plant und bauen will, muss die Prototypen und Nullserien schon heute fertigen lassen.”
Weiteres Potenzial gibt es auch in der Flugzeugbaubranche. Das Unternehmen bereitet sich deshalb auf die Zertifizierung nach Norm EN/AS 9100 vor.
Profil
Haller PrÀzision
Das Unternehmen Haller PrĂ€zision wurde im Jahr 2000 gegrĂŒndet, Unternehmenssitz ist Bermatingen in Baden-WĂŒrttemberg. Das Unternehmen fertigt mit zehn Mitarbeitern auf einer ProduktionsflĂ€che von knapp 1000 m2 Prototypen, EinzelstĂŒcke und kleine Serien. Das Unternehmen ist zertifiziert nach ISO 9000:2001 und strebt derzeit die Zertifizierung nach EN/AS 9100 QualitĂ€tsmanagementsystem an, um sich als Zulieferer der Luftfahrtindustrie zu etablieren.
Trends ”-genau
Automatisierung auch bei kleinen LosgröĂen
Was in der GroĂserie lĂ€ngst selbstverstĂ€ndlich ist, hĂ€lt immer mehr auch im Werkzeug- und Formenbau Einzug: Um die teuren Maschinen optimal zu nutzen und so gĂŒnstigere StundensĂ€tze zu erzielen, werden Maschinen mit Automatisierungslösungen zu Flexiblen Fertigungszentren kombiniert. Dabei muss die FlexibilitĂ€t nicht verloren gehen – im Gegenteil: Geschickte Automatisierung und etwa der Einsatz von Nullpunktspannsystemen lĂ€sst âspontane” EilauftrĂ€ge durchaus zu, schafft vielmehr oft erst die Voraussetzung, laufende Prozesse unterbrechen zu können, etwas Neues abzuarbeiten und dann die ursprĂŒngliche Bearbeitung ohne QualitĂ€tsverlust genau da wieder aufzunehmen, wo sie unterbrochen worden ist.
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