Engineering & Dienstleistung
Vorrichtungsbau
Über den Tellerrand hinaus
07.07.2009
Fräsen: Wer seine Prozesse möglichst optimal auslegen will, muss sie stets neu hinterfragen. Die Zerspaner bei Englert in Wertheim haben im Vorrichtungsbau mit kleinen Losgrößen zu tun. Um stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben, holten sie sich Experten ihres Werkzeugpartners WNT für ein „Update” ins Haus.

Technik auf dem aktuellen Stand und schlanke, durchgängige Abläufe sind für Michael Englert, Geschäftsführer der Englert GmbH & Co. KG in Wertheim, ein absolutes Muss, um wettbewerbsfähig zu sein. Englert hat sich spezialisiert auf Einzelteile sowie kleine und mittlere Serien. Zerspant wird im Unternehmen laut Englert „nahezu alles – von Kunststoffen über Aluminium, Baustahl bis zu hochvergüteten Edelstählen”. Eine Schlüsselkomponente sind für ihn dabei innovative, leistungsfähige Werkzeuge, die optimal an die Bearbeitungsaufgaben angepasst sind.
Dass mit neuen Werkzeugen indes bewährte Strategien oft überholt sind, mussten die Wertheimer bei einem Auftrag für einen neuen Kunden erfahren: „Wenn es um das Zerspanen von Aluminium oder Kunststoff ging, waren wir absolut wettbewerbsfähig”, erklärt Englert. „Aber bei Stahl waren wir teilweise doppelt so teuer wie andere Anbieter – obwohl wir uns technologisch gut aufgestellt sahen.”
Mit welchen Parametern?
Optimale Ergebnisse erfordern indes auch optimale Parameter. „Und hier hatten wir eindeutig ein Defizit”, erläutert Englert. „Deshalb baten wir unseren Werkzeugpartner WNT um Rat.” Eine Schulung sollte das gesamte Team auf einen aktuellen Stand bringen. Und zwar praxisnah, mit Beispielen aus der aktuellen Bearbeitung – schließlich wurde hier einiges an Einsparpotenzial erwartet.
So benötigten die Zerspaner in Wertheim beispielsweise für ein bestimmtes Werkstück 2h 13min, „viel zu lange” für ihr Gefühl. Und damit auch deutlich zu teuer. Das Werkstück sollte ein erster Prüfstein für den WNT-Anwendungstechniker werden. Der änderte vor Ort die Bearbeitungsstrategie, setzte die Parameter neu – und deutlich progressiver – als das Englert-Team. Und der Erfolg gab ihm auf Anhieb Recht: Ohne Qualitätseinbußen und mit weit geringerem Verschleiß an den Werkzeugen konnte er die Zeit mit seinem Bearbeitungsvorschlag gleich beim ersten Versuch auf unter 45 min drücken. Damit war auch die Kalkulation des Werkstücks wieder in wettbewerbsfähige Regionen gerückt.
„Wir sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, haben zahlreiche neue Mitarbeiter – die von WNT angebotene Schulung war für uns eine attraktive Möglichkeit, aktuelles Bearbeitungswissen zu verallgemeinern und unseren Leuten nahezubringen”, erläutert Englert. „Und auch bei erfahrenen Bearbeitern haben sich Prozesse eingeschliffen – oft wird nicht mehr hinterfragt, warum man beispielsweise die Parameter reduziert oder warum man eine bestimmte Strategie wählt.”
Speziell bei kleinen Losen ist es wichtig, dass der Maschinenbediener genau weiß, was er tut: „Gerade jetzt bekommen wir sehr viele neue Teile zur Bearbeitung – da ist es ein großer Vorteil, wenn die Mitarbeiter mit den effizientesten Strategien vertraut sind”, betont Englert. „Deshalb holten wir uns das WNT-Team für einen Schulungstag ins Haus, um unsere Leute in Sachen Zerspanung auf den neuesten Stand zu bringen.”
Fatales Bauchgefühl
Verbesserungspotenziale waren sehr schnell lokalisiert. So wurden insbesondere beim Zerspanen von Stahl Werkzeuge oft nicht innerhalb ihrer optimalen Parameter verwendet. „Wenn es beispielsweise Probleme beim Fräsen gibt, ist die Hand schnell am Poti, die Leistung wird immer weiter zurückgenommen”, erklärt der erfahrene Praktiker Englert. „Unser Gefühl sagt uns schließlich, dass desto weniger schiefgehen kann, je vorsichtiger wir uns verhalten.”
Genau dies ist aber bei leistungsfähigen Werkzeugen fatal: „So ist es beispielsweise beim VHM-Bohren essentiell, dass man die Bohrer mit den richtigen Parametern fährt”, erläutert Englert. „Drehzahl und Vorschub müssen exakt auf die Bearbeitung abgestimmt sein, damit man einen optimalen Spanbruch bekommt. Und dafür gibt es nur ein relativ kleines Fenster.”
Eine Schulung umfasst einen halben Tag Theorie und einen halben Tag Praxis – die Mitarbeiter brachte das einen klaren Schritt nach vorn. Die Kombination aus Theorie und Praxis zeigte den Bedienern, dass sie den Vorgaben aus den Katalogen durchaus vertrauen können, dass sich eine „intuitive” Reduzierung der Parameter eher negativ auswirken kann. An den Maschinen stehen den Zerspanern heute Register mit den verbindlich für die Werkzeuge einzusetzenden Parametern zur Verfügung.
„Wir haben inzwischen die zweite Schulungseinheit bei uns im Haus abgeschlossen. Der WissensÂtransfer geht gerade in der Einzelteilfertigung zu hundert Prozent an die Maschine”, betont Michael Englert. „Und das Ergebnis ist sofort spürbar.” Die Schulungen, die WNT übrigens kostenlos anbietet, will er daher in regelmäßigen Abständen wiederholen – zur Auffrischung, aber auch, um werkzeugtechnisch stets auf dem aktuellen Stand zu sein.
Stabilere Prozesse
Auch die Kunden von Englert profitieren – in erster Linie von höherer Prozesssicherheit und Termintreue. „Wenn schwierige, komplexe Werkstücke bearbeitet werden müssen, haben wir auch keine Scheu, bei unseren Werkzeugpartnern um Rat zu fragen”, erklärt Englert. „Das gestaltet die Bearbeitung schneller und effizienter und verschafft uns letztlich ein deutliches Plus an Wettbewerbsfähigkeit.”
Neben dem spürbaren Effekt, den die Weiterbildung bei der Produktivität erzielte, konnte Englert feststellen, dass die Motivation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter gestiegen ist: „Die Schulungen waren ein wichtiges Zeichen, dass ihr Unternehmen sie wertschätzt und in die Menschen investiert, die letztlich für den Profit sorgen”, erläutert er. „Gerade die aktuelle Krise bietet die Chance und auch die Zeit, die Mitar-beiter weiterzuqualifizieren. Sie sind schließlich unser wichtigstes Kapital. Wenn nicht jetzt – wann dann?”
Profil
Englert GmbH & Co. KG
Vorrichtungen und Werkstücke in kleinen Stückzahlen sind das Metier des Unternehmens. Das Werkstückspektrum, das fünfachsig bearbeitet werden kann, reicht bis 3 m Baulänge. Baugruppenmontage, Schweißkonstruktion und Qualitätssicherung runden das Spektrum ab. Waren vor acht Jahren noch 85 Prozent der Arbeiten Zulieferungen für den Elektromaschinenbau, macht diese Branche inzwischen nur noch 20 Prozent der Aufträge aus – weitere 20 Prozent gehen in die Medizintechnik, der Rest kommt aus anderen Branchen. Derzeit stehen die Erweiterung des Fertigteile- und Materiallagers und der Umzug in eine neue Montagehalle mit Lager und Reinraumfertigung an. Englert beschäftigt 50 Mitarbeiter.
Trends µ-genau
Praxisnahe Schulung
Zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Unternehmens Englert und seiner Mitarbeiter stand das Tehmenfeld mit den Schwerpunken VHM-Bohren, VHM-Fräsen, WSP-Fräsen, WSP-Eckfräsen 90°, Hochgeschwindigkeitsreiben und Gewindefräsen und -formen im Mittelpunkt der Schulung. Der Praxisteil zeigte, dass die im Theorieabschnitt besprochenen Werte tatsächlich auch optimale Ergebnisse erzielen und vermittelte den Maschinenbedienern die Sicherheit für ihr Tagesgeschäft.
Das sagt die Redaktion
Weg mit den Angstkorrekturen!
Werkzeuge zu unterfordern kann sich fatal auswirken. Drastisch sinkende Standzeiten und eine verlängerte Bearbeitungsdauer sind oft noch die harmloseren Varianten. Hightech-Werkzeuge sind auf ein sehr schmales Parameter-Fenster ausgelegt. In der Regel sind das die Werte, die der Hersteller im Katalog oder Datenblatt ausweist. Wer hier den Poti nach links dreht, wiegt sich in trügerische Sicherheit – zu wenig Vorschub, zu wenig Drehzahl kann für ein Werkzeug tödlich sein. Etwa, weil der Span nicht mehr optimal bricht. Hier ist weniger Intuition als vielmehr Vertrauen in die Werkzeugspezialisten der Hersteller gefragt. Wer sich nicht sicher ist, sollte seinen Werkzeugpartner in die Pflicht nehmen und nachfragen!
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