Branche
Warum eine Norm für 3D-Zeichnungsdaten?
22.09.2009
Herr Kammermeier, braucht die Welt wirklich eine neue Norm für 3D-Zeichnungsdaten?
Aber ja! Sehen Sie, ein wesentliches Merkmal, das die Industrialisierung voran getrieben hat, ist die Standardisierung. Der Dschungel an nicht standardisierten Zeichnungsdaten wird immer dichter und verursacht immer höhere Kosten – beim Anwender, aber etwa auch bei Präzisionswerkzeug- und Steuerungsherstellern.
Deshalb haben sich namhafte Unternehmen aus all diesen Bereichen zusammengetan, um in der neuen DIN 4003 einheitliche Zeichnungsdaten für den Austausch von 3D-Volumenmodellen festzulegen.
Was ist das Ziel der neuen DIN 4003?
Der Arbeitskreis, der die neue Norm bearbeitet, will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich 3D-Volumenmodelle problemlos austauschen lassen. Ein standardisierter Datenaustausch ist zwingend notwendig, um Fehler zu vermeiden sowie schnell und akkurat, aber auch herstellerunabhängig zu arbeiten. Wir wollen qualitativ hochwertige Daten standardisieren, die über den gesamten Prozessablauf von der Angebotserstellung bis zur Qualitätssicherung genutzt werden können.
Warum wollen Sie stark vereinfachte Volumenmodelle nutzen und nicht gleich Realmodelle?
Realmodelle haben zwar den Vorteil, dass sie viele Details wie zum Beispiel Spankammern am Werkzeug und ähnliches zeigen, damit können die Werkzeuge klar identifiziert werden. Der Nachteil dieser Modelle ist indes die große Datenmenge, die für ein Werkzeug typischerweise größer als 2 MB ist. Wenn man gar die einzelnen Komponenten eines Werkzeugs als Realmodell darstellt, steigt der Speicherbedarf nochmals an. Mit solch detaillierten Modellen würde jede Simulation zum Geduldsspiel. Deshalb wollen wir, dass die komplexen Werkzeuge und Werkzeugkomponenten auf vereinfachte Realmodelle gestrippt werden, die aber exakt die Hüllkurvengeometrie des Werkzeugs wiedergeben. Das simplifizierte Volumenmodell mit einer Datenmenge von gerade einmal 20 kB ist hier ein guter Kompromiss, da dieses Modell sowohl hohe Genauigkeit als auch schnelle Simulation hervorragend abdeckt.
Wann kann man mit der neuen Norm arbeiten?
Das massive Einsparpotenzial, das ein einheitliches 3D-Datenaustauschformat mit sich bringt, ist uns allen bewusst – insbesondere in der jetzigen kritischen Marktlage ist deshalb schnelles Handeln erforderlich. Für alle Beteiligten im Arbeitskreis ist wichtig, dass die Standardisierung in einem sehr überschaubaren Zeitrahmen realisiert wird. Wir wollen noch in diesem Jahr die Normungsarbeiten an der DIN 4003 so weit vorantreiben, dass zumindest Normentwürfe vorliegen, nach denen gearbeitet werden kann.
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