Spritzen & Giessen
Produktiv und durchgängig
11.11.2009
CAD/CAM: Die Datendurchgängigkeit im CAD/CAM-Bereich gilt im Werkzeug- und Formenbau inzwischen als Grundvoraussetzung für kurze Lieferzeiten und hohe Produktqualität. Damit das nicht zu Lasten der Produktivität geht, setzt die Büchler Werkzeugbau AG im schweizerischen Flawil auf Cimatron.
Vor zehn Jahren war man in Flawil auf der Suche nach einer CAD/CAM-Lösung, die von der Kalkulation über die Konstruktion bis zur Fertigung eine durchgängige Linie abbildet. Gleichzeitig war dem Verantwortlichen, Stefan Louis, Leiter AV/CAM, wichtig, dass es kein allgemeines, sondern ein spezielles Formenbautool sein musste: „Einige Systemhäuser haben uns damals zwar Komplettpakete angeboten, allerdings mit Komponenten unterschiedlicher Softwarehersteller“, erklärt er. „Für uns aber war wichtig, dass die Gesamtlösung über den gesamten CAD/CAM-Prozess in sich stimmig ist. Nur so lassen sich Probleme, beispielsweise mit den Schnittstellen, vermeiden.“
Heute gilt Büchler bei Cimatron als Großkunde und arbeitet mit Cimatron E 8.5. Nun ist der Werkzeugbau Büchler in der glücklichen Lage, nicht von einer Branche oder einem Kunden abhängig zu sein. Wichtig für die Kunden ist, dass Daten an Büchler gesendet und dort auch gelesen werden können.
Da Cimatron viel Wert auf die Leistungsfähigkeit seiner Schnittstellen legt, werden deshalb zu allen Standard-Formaten qualitativ hochwertige Interfa-ces angeboten. Außerdem sind Direktschnittstellen zu Formaten wie Catia, Unigraphics, Pro/Engineer und Solidworks verfügbar. Seit dem Erwerb dieser Schnittstellen gibt es in Flawil keine Probleme mehr.
Catia-Daten ohne Aufwand
Das Unternehmen Geberit beispielsweise sendet seit Jahren Catia-Daten zu Büchler,
die ohne großen Aufwand gehandelt werden können. Bei der Entscheidungsfindung stand die Durchgängigkeit in Verbindung mit hoher Produktivität im Vordergrund. Die beginnt bei Büchler im CAD nach dem Datenimport in der Projektierung oder der Formtrennung „QuickSplit“. Dieses Tool wird auf dem Markt deshalb besonders geschätzt, weil damit zahlreiche Analyse- und Konstruktionswerkzeuge zur schnellen und einfachen Trennung in Kern, Kavität und Schieber führen.
Im nächsten Schritt, im MoldDesign, lassen sich dann Formaufbauten auch auf Grund der umfangreichen Normalienverwaltung sehr schnell konstruieren. Im CimatronE, Version 9.0, ist außerdem eine neue Funktionalität integriert, die die Definition der richtigen Entformungsrichtung bei frei geformten Teilen noch weiter vereinfachen soll.
Über die 2D-Zeichnungsableitung geht es bei Büchler im Anschluss vom CAD in den Bereich CAM. Hier setzt man auf die 3-Achs- wie 5-Achs-Bearbeitung mit sämtlichen Simulationen. Sinn in der Kollisionsüberwachung sieht Stefan Louis allerdings nur im Einsatz auf der 5-Achsen-HSC-Fräsmaschine OPS 650. Der Abtrag sowie der Soll-/ Ist-Vergleich dagegen werden immer durchgeführt. Nach den jahrelangen Erfahrungen hat sich das bewährt und gleichzeitig enorme Kosten eingespart.
Um Kosten geht es auch bei der Elektrodenkonstruktion und der Komplettlösung für die Elektrodenkonstruktion und -fertigung „QuickElektrode“. „Fakt ist, dass man mit den intelligenten Features wie den vielseitigen Flächenfunktionen oder auch benutzerdefinierten Templates für den gesamten Bearbeitungsprozess sehr schnell ist“, erläutert Stefan Louis. „Die Features, die QuickElektrode zur Verfügung stellt, bringen enormen Geschwindigkeitsvorteile. Steht die Elektrode, genügt ein Mausklick zur Zeichnungsableitung für die Dokumentation.“
In Flawil werden pro Jahr rund 50 Werkzeuge und dafür 400 bis 500 unterschiedliche Elektroden angefertigt. Dazu kommen noch die unterschiedlichen Ausführungen als Schrupp- und Schlichtelektroden.
Ungewöhnlich große Elektrode
Büchler hatte als eines der ersten Unternehmen in der Schweiz damit begonnen, von Kupfer- auf Graphitelektroden umzustellen. Derzeit liegt der Anteil an Graphitelektroden bei zirka 30 Prozent. Dieser Anteil nimmt aber weiter kontinuierlich zu. Ein Beispiel, welch hohes Know-how hier bei Büchler bereits vorhanden ist, zeigt eine Graphitelektrode für Sanitär-Spülkästen. Mit den Abmessungen 400 x 150 x 80 mm ist die Elektrode ungewöhnlich groß. Insgesamt wurden für die Herstellung des Spülkasten-Spritzgießwerkzeuges 30 zum Teil hoch komplexe SenkÂelektroden benötigt.
In dem Werkzeug sind unter anderem Unterflur-Schieber und Schieber verbaut, die zum Entformen gedreht werden müssen. Nach Auskunft von Stefan Louis sind solche Aufgaben nicht mit jedem Tool zu lösen: „Bei diesem Spülkasten hat uns Cimatron wirklich sehr geholfen. Unabhängig davon konn-ten wir bislang jede Aufgabe lösen, weil das CADÂ-Tool nie das limitierende Element war.“
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