Trendreport
Aufschwung der eher leisen Töne
16.02.2010
Positiver Trend: Die weltweit spĂĽrbaren Folgen der Wirtschaftskrise sind bei weitem noch nicht ĂĽberwunden. Trotzdem mehren sich auch in der Branche inzwischen wieder die optimistischen Stimmen. Nicht wenige erfolgreiche Unternehmen sehen Krise nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance, sich fĂĽr zukĂĽnftige Herausforderungen entsprechend aufzustellen.
Es ist schon überraschend, wie schnell die schlimmste Rezession der Weltwirtschaft seit Jahrzehnten zu Ende gegangen ist. Als letzte der führenden Industrienationen konnte Ende 2009 auch Großbritannien die Rezessionsphase abschließen – mit allerdings sehr bescheidenen Wachstumsraten. Für Deutschland werden in diesem Jahr inzwischen schon wieder rund 1,5 Prozent Wachstum prognostiziert, 2011 soll sich der Trend weiter stabilisieren. Schwellenländer wie China sind die treibende Kraft der Erholung. Deshalb rechnen Unternehmen in Deutschland mit einer stärkeren Belebung im Auslandsgeschäft – hier hatte es auch die stärkesten Einbrüche gegeben.
Dass eine stabile Erholung auf breiter Basis unmittelbar bevorsteht – das allerdings glauben wohl nur wenige Berufsoptimisten. Die Realität sieht derzeit noch anders aus: Nur sehr zögerlich kommen die Aufträge in der metallverarbeitenden Industrie zurück, es gibt nach wie vor (siehe unsere Blitzumfrage) viele Betriebe, die auf Kurzarbeit ausweichen müssen. Statt eines Aufschwungs mit Pauken und Trompeten sind in nächster Zukunft von der Konjunktur eher leise Töne zu erwarten.
Erfreulich ist, dass die Unternehmen bisher überwiegend ihre Arbeitskräfte halten konnten, auch in diesem Jahr wollen laut unserer Umfrage die meisten Unternehmen ihre Fachkräfte weiterbeschäftigen. Und einige wenige denken sogar an eine Aufstockung ihres Mitarbeiterbestands.
Weiterqualifizierung jetzt angehen
Insbesondere die mittelständisch geprägten Unternehmen in der metallverarbeitenden Industrie sehen sich in der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. Viele Betriebe investieren gerade jetzt in die Weiterqualifizierung der Fachkräfte. Denn zum einen werden zahlreiche sinnvolle Schulungsmaßnahmen jetzt vom Staat unterstützt. Zum anderen ist jetzt auch endlich genug Zeit dafür da – wenn die Konjunktur wieder anspringt, ist es zu spät, dann sind die Prioritäten wieder anders gelagert.
Weiterqualifizierung hat nicht umsonst einen sehr hohen Stellenwert – das Wissen und Können der Mitarbeiter ist schließlich mit das wertvollste Kapital der Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen. Verantwortlich denkende Unternehmenslenker nutzen die ruhigeren Zeiten, um ihr Unternehmen neu auszurichten. Auch für dieses Jahr wollen zwei von fünf der von uns befragten Werkzeugbau-Unternehmen in neue Maschinen oder in Automatisierungstechnik investieren. Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen und gerüstet zu sein, wenn die Aufträge wieder kommen.
Nicht wenige Betriebe versuchen sich dabei auch auf neuen Wegen: Generative Technologien, Laserablation oder Höchstpräzisionsverfahren in zerspanung oder Erosion sollen neue Tätigkeitsfelder erschließen. Denn die Konjunktur wird wieder anspringen. Früher oder später.
Bei aller Vorsicht – es gibt auch jetzt schon wieder jede Menge gute Nachrichten. So können nicht wenige Unternehmen derzeit aufgrund der verbesserten Auftragslage von Kurzarbeit zurück auf Vollbeschäftigung gehen. In Boombranchen wie der Medizintechnik, den regenerativen Energien oder dem Schienenfahrzeugbau läuft es nach wie vor gut. Hier hat die Krise zwar durchaus auch ihre Bremsspuren hinterlassen, aber bei weitem nicht so heftig wie anderswo.
Etwa in der schwer gebeutelten Automobilindustrie, die im Jahr 2009 mehr als 100 Unternehmen ganz oder in Teilen verloren hat und wohl auch im laufenden Jahr noch durch einige Turbulenzen muss. Aber selbst aus dieser Branche kommen mittlerweile wenigstens vereinzelt wieder positive Meldungen. So will etwa der Karmann-Insolvenzverwalter aufgrund möglicher Verträge mit Volkswagen die Arbeitsplätze von 400 bereits gekündigten Mitarbeitern im Werkzeugbau retten und hat die bereits ausgesprochenen Kündigungen wieder zurückgenommen. Damit kann hoffentlich die hohe Werkzeugbau-Kompetenz des Autobauers am Standort Osnabrück erhalten werden.
Solche positiven Signale sind wichtig, denn noch immer lässt die Aufbruchstimmung auf sich warten. Zwar gibt es genügend Projekte, die reif sind zur Umsetzung – aber kein Geld. Teilweise verständlich angesichts der Ungewissheit. Andererseits ist diese Lähmung Gift für die Zulieferindustrie. Hier müssen sich die OEMs ihrer Verantwortung bewusst sein: Wenn sie auch in Zukunft mit hochwertigen Werkzeugen rationell produzieren wollen, dürfen sie jetzt ihre Partner nicht verhungern lassen.
Trotz aller Widrigkeiten – die Stimmung in der metallverarbeitenden Industrie ist
überraschend gut. Die Indices signalisieren wieder Optimismus: Die Zukunftserwartungen werden wieder deutlich besser beurteilt, auch die aktuelle Lage scheint für die Unternehmen längst nicht mehr so düster wie im vergangenen Jahr. Das Geschäftsklima hat sich klar verbessert.
Unternehmen am Scheideweg
Das Jahr 2010 wird spannend – viele Unternehmen stehen am Scheideweg. Eine Garantie, dass man am Ende des Jahres noch am Markt ist, kann einem niemand geben – auch Unternehmen, die scheinbar alles richtig gemacht haben, können sehr plötzlich vor dem Aus stehen. Aber: Wer jetzt nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern sein Unternehmen sinnvoll weiterentwickelt und sich für den Aufschwung in eine gute Startposition bringen kann, hat gute Chancen, letztlich zu den Gewinnern zu gehören.
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Vier Fragen an Michael Hauser, Präsident des Europäischen Werkzeugmaschinenverbands CECIMO
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„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“
Michael Hauser, Präsident des Europäischen Werkzeugmaschinenverbandes, plädiert dafür, gerade jetzt zu investieren, seine Mitarbeiter zu halten und sich vorzubereiten für den Aufschwung.
Wie wird sich die Konjunktur im Jahr 2010 entwickeln?
Der europaïsche Werkzeugmaschinenverband geht, gestützt auf diverse interne und externe Studien, von einer Erholung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2010 aus. Sämtliche Konjunkturbarometer bestätigen diese Annahmen. Bestimmte Branchen zeigen bereits deutliche Aufbruchstendenzen, insbesondere im Energiesektor, der Medizintechnik sowie der Luft-und Raumfahrtindustrie. Aber auch solche, die elektronische Konsumgüter oder neue Technologien wie LED-Lichtquellen produzieren. Der für die Werkzeugmaschinenindustrie sehr wichtige Automobilmarkt schwächelt noch in Europa, während in China das Geschäft boomt.
Was bedeutet dies fĂĽr den Werkzeug- und Formenbau?
Die Automobilindustrie ist für den Werkzeug- und Formenbau nach wie vor einer der größten Kunde. Aufgrund der großen Überkapazitäten in diesem Bereich bleibt die Lage vermutlich angespannt. Allerdings werden wir in den nächsten Jahren viele neue Autos mit alternativen Antriebskonzepten sehen, welche gerade im Werkzeug- und Formenbau für einen Auftrieb sorgen werden. Die Globalisierung ist aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht ganz abgeschlossen. Unternehmen verlagern also immer noch in den Osten. Hier sind wir alle gefordert. Der anspruchsvolle Werkzeug- und Formenbau hat heute sowie in der Zukunft sehr gute Chancen zu überleben. Der Trend zur Miniaturisierung sowie der Integration von mehreren Funktionen in einzelnen Bauteilen bedingt immer mehr hochgenauere und komplexere Formen. Hier sind wir in Europa recht gut aufgestellt.
Sind die Unternehmen fĂĽr die Entwicklung gerĂĽstet?
Bis heute würde ich sagen, dass wir in Europa gut aufgestellt sind. Dennoch müssen wir auf Asien insbesondere China achten. Dieser Markt hat sich inzwischen zum größten Abnehmermarkt entwickelt. Hier sind vor allem die Zulieferer der Automobilindustrie gefordert. Aufgrund der dramatischen Entwicklung der vergangenen 12 Monate haben viele Unternehmen nicht mehr investiert und Mitarbeiter entlassen. Die gesamte Zulieferkette ist zum Teil zum Erliegen gekommen. Nun gilt es diese wieder zu aktivieren. Sollte die Konjunktur wie vorausgesagt anspringen, dann könnte es schnell wieder zu einer Verknappung von Ressourcen kommen. Ich kann nur jedem Unternehmer raten, jetzt die Weichen zu stellen und zu investieren. Ähnliches gilt für die Arbeitskräfte: Wir dürfen nicht vergessen, dass der Arbeitsmarkt vor der Krise sehr angespannt war und es gab an allen Stellen, insbesondere bei den Fachkräften, Engpässe. Ich kann den Unternehmen deshalb nur raten Ihre Fachkräfte zu halten.
Wie sollen sich die Unternehmen aufstellen?
Bei Investitionen in neue Technik gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Die Technologien entwickeln sich rasant weiter. Man muss, ob man will oder nicht, dran bleiben, um langfristig ĂĽberleben zu können. Wichtig scheint mir, dass man auch „Neues“ wagt. Nur mit Innovationen kann man sich gegenĂĽber dem Wettbewerb differenzieren. Die Globalisierung ist bereits im vollem Gange und noch lange nicht abgeschlossen. Die Unternehmen sind hier stark gefordert: Die Dynamik der Märkte, das Denken und Arbeiten in Netzwerken, der Schutz von intellektuellem Eigentum, nachhaltiger WissensÂtransfer sowie Sprachbarrieren stellen insbesondere kleine mittelständische Unternehmen vor groĂźe Herausforderungen. Europäische Unternehmen haben aufgrund ihrer Innovationskraft und hohen Qualität aber sehr gute Chancen, im globalen Rennen um die Globalisierung vorne mitzumischen.
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