Trends & Innovationen

Wie ein Leuchtturm in der Dunkelheit

16.02.2010

Workshop: Zu seinem ersten Marketing-Workshop hatte der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) eingeladen. Ein Thema, das offenbar einen zentralen Nerv traf: Mehr als 35 Teilnehmer waren gekommen, um die wichtigsten Faktoren rund um die IdentitÀt eines Unternehmens und seines Auftritts zu erörtern.

Night Lighthouse BeamMan kennt seine Kunden, die Kunden wissen um die eigene LeistungsfĂ€higkeit. Es kennt sowieso jeder jeden, die Branche ist schließlich ĂŒberschaubar. Wozu also Marketing? Lange Zeit war alles gut gegangen, im Werkzeug- und Formenbau gab es genĂŒgend AuftrĂ€ge. Nicht wenige Betriebe konnten sich nach Belieben aussuchen, fĂŒr wen man arbeitet.

Heute sieht die Lage anders aus. Umsetzungsreife Projekte sind rar, auch wenn sich inzwischen eine Besserung abzeichnet. Der Wettbewerb um AuftrÀge hat deutlich an SchÀrfe gewonnen.

Hohe QualitĂ€t wird inzwischen als selbstverstĂ€ndlich vorausgesetzt. Nicht selten geht es daher in den Verhandlungen mit dem Auftraggeber nur noch darum, wer am billigsten liefert. „Und genau in diese Preisspirale wollten wir nicht hineinkommen“, erklĂ€rt Gert Feix, GeschĂ€ftsfĂŒhrer bei Feix Druckguss in Kaufbeuren. „Das bedeutet aber auch, dass wir uns von unseren Mitbewerbern deutlich absetzen mussten.“

Wertvolle Impulse von außen
FĂŒr Feix war klar, dass dabei UnterstĂŒtzung von außen wertvolle Impulse liefern kann: „Wir sind zwar absolut fit, was Druckguss angeht – aber obwohl wir schon den einen oder anderen Flyer gestaltet hatten, in der Telefonakquise aktiv waren und einige Messeauftritte hinter uns hatten, mussten wir uns eingestehen, dass wir in Sachen professionelles Marketing absolute Laien waren.“ Als Marketing-Profi holten sich die Kaufbeurer die Expertin Anke Meyer-Grashorn (große freiheit GmbH) an Bord – und die stellte erst einmal ganz elementare Fragen. „Wie wir es von unseren Werkzeug-Projekten ja auch kennen – zuerst muss das Konzept stehen, erst dann kann man es auch mit Leben fĂŒllen“, erklĂ€rt Feix. „So mussten wir erst einmal klĂ€ren, wie wir uns ausrichten wollen, was wir sagen wollen, wen wir als Zielgruppe haben wollen.“

Bewusstsein wird tÀglich gelebt
Wer sagt, was er will, definiert automatisch auch, was er nicht will. „Bei Feix war sehr schnell klar: Die Mitarbeiter sehen sich im High-End der Druckgussbearbeitung, sehen sich als absolute ,Freaks‘, wenn es um sehr schwierige WerkstĂŒcke geht“,
erklĂ€rt Anke Meyer-Grashorn. „Dieses Bewusstsein wird bei Feix auch tĂ€glich gelebt – man musste es nur noch entsprechend ausformen.“

Das Motto „Wir machen nur noch komplizierte Teile“ umreißt den Leitgedanken schon sehr gut: „Druckguss-Teile aus Zink, die besonders anspruchsvoll und kompliziert sind, erfordern einen intelligenten Umgang mit dem Werkstoff, innovative Herangehensweisen in Entwicklung, Formenbau und Verarbeitung“, betont Feix. „Und eine große Portion TĂŒftel-Leidenschaft, Liebe zum Detail und Mut, Dinge anders zu machen.“

Mit der Konzentration auf komplexe Teile war auch der Preisdruck weg: „Jeder hat ein WerkstĂŒck in der Schublade, das ,unmöglich‘ umzusetzen ist“, erklĂ€rt Feix. „Wir wollen den Fokus gerade auf solche Teile legen. Hier kommt es fĂŒr den Kunden nĂ€mlich in erster Linie darauf an, dass ein WerkstĂŒck ĂŒberhaupt realisiert werden kann – der Preis spielt dann keine so große Rolle mehr.“

Slogan bringt Profil auf den Punkt
Das wurde auch entsprechend kommuniziert – in Anzeigen, auf Messen, im Internet, VDWF_2auf den Fahrzeugen des Unternehmens und in vielem mehr: Mit dem Slogan „Geben Sie uns Ihr Geht-nicht-Teil“ schĂ€rfte Feix sein Profil als Problemlöser. Mit dieser Spezialisierung aufs Komplizierte hat sich auch die Zielgruppe des Unternehmens inzwischen deutlich verĂ€ndert: Die „Geht-nicht-Teile“ kommen nun direkt aus der Technik oder aus der FĂŒhrungsebene der Kunden – in der Regel unter Umgehung der Einkaufsabteilung und der damit verbundenen Preisdiskussionen.

„Das Konzept in unserem Unternehmen umzusetzen erwies sich als ĂŒberraschend einfach. Was deutlich mehr MĂŒhe macht, ist, diesen Anspruch dann wirklich auch auf Dauer durchzuhalten“, erklĂ€rt Feix. „Trotzdem: Ohne den professionellen Blick von außen hĂ€tten wir gar nicht gewusst, wo wir wirkungsvoll ansetzen können.“

Der Weg zur Einzigartigkeit stand bei diesem Workshop auch im Mittelpunkt des Beitrags von Claudia Schimkowski (WortOptimal – die Agentur fĂŒrs Handwerk): „Es geht darum, die eigenen StĂ€rken zu bestimmen und sich daraufhin auszurichten“, erklĂ€rt die Marketing-Expertin. „Wer seine StĂ€rken in den Mittelpunkt stellt und entsprechend auftritt, kann gleich einem Leuchtturm in weitem Umkreis wahrgenommen werden.“ Es gilt, das Einzigartige im eigenen Unternehmen zu finden und herauszuarbeiten – wer sich bemĂŒht, ĂŒberall gleich gut zu sein, hat es schwer, Spitzenleistungen zu erzielen. Dazu kommt, dass die Unternehmen, die sich „im Durchschnitt“ bewegen, schlicht nicht wahrgenommen werden – nur wer wieder und wieder bei Kunden „sichtbar“ ist, hat die Chance, am nĂ€chsten Aufschwung teilzunehmen.

Wo den Kunden der Schuh drĂŒckt
DarĂŒber hinaus ist es wichtig, die Leistungen so auszurichten, dass sie zur Nachfrage auf dem Markt, zu den „Schmerzthemen“ der Kunden passen – es gilt, den Kunden Lösungen fĂŒr ihre Probleme anzubieten. „Finden Sie heraus, wofĂŒr Sie der Experte sind, und setzen sie das konsequent um“, betont Schimkowski. Anhand von Beispielen zeigte sie die Vielfalt möglicher Marketingmaßnahmen, aber auch die Notwendigkeit eines durchdachten und in sich stimmigen Marketingkonzepts.

Nicht nur isolierte Einzelmaßnahmen
Dass es beim Marketing nicht nur um ein paar Einzelmaßnahmen geht, verdeutlicht auch Ralf DĂŒrrwĂ€chter (Segoni): „Ihre Kunden erwarten von Ihnen, dass Sie Profis sind. In jeder Hinsicht – auch beim Auftritt Ihres Unternehmens. Deshalb sollten Sie gerade in Sachen Marketing mit Profis zusammenarbeiten“, rĂ€t er. „Das fĂ€ngt beim Erstellen eines umfassenden Marketingkonzepts an und hört bei Fotografien oder einer professionellen Anzeigenkampagne noch lange nicht auf.“ Daneben gab er Tipps fĂŒr einfache, aber effiziente Maßnahmen: „Bitten Sie ihre zufriedenen Kunden, Sie weiter zu empfehlen – oder Ansprechpartner zu nennen, die Ihr Angebot vielleicht benötigen“, erklĂ€rt er. „Netzwerke werden oft unterschĂ€tzt – dabei lĂ€sst sich hier mit relativ geringem Aufwand viel bewegen.“

Interessante BeitrĂ€ge von Susanne Kind-Fritz (TQU Akademie Ulm) zum Thema „ReprĂ€sentative Umgangsformen“ sowie Klaus Tappmeier, Rechtsanwalt fĂŒr Vertragsrecht im VDWF, zu relevanten FĂ€llen aus der Praxis rundeten den Workshop ab.


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