Trends & Innovationen
Konsequent auf Wachstum gesetzt
04.05.2010
Automatisierung: Wachstum in der Krise? Wie das geht, zeigt der belgische Lohnfertiger E.S. Healthcare. Konsequente Automatisierung bei Losgröße 1, angepasster Maschinenpark, engagierte Mitarbeiter und ein ERP-System von Fauser, das den notwendigen Überblick bringt.
Man mag es kaum glauben. Aber es gibt noch Unternehmen, die auch in der jetzigen Zeit noch Wachstum generieren und auch auf Wachstum setzen. Der belgische Lohnfertiger E.S. Healthcare ist so ein seltenes Pflänzchen. „Wir sind“, sagt Geschäftsführer Erik Schildermans, „in den vergangenen drei Jahren rasant gewachsen und werden auch nicht stehen bleiben“.
Der letzte Redaktionsbesuch in Belgien liegt inzwischen knapp drei Jahre zurück. Seinerzeit hieß das Unternehmen noch E.S. Tooling, beschäftigte 14 Mitarbeiter und bereitete sich gerade vor, in die Fertigung von Dentalimplantaten einzusteigen. Grund für den damaligen Besuch war die erstaunlich konsequente Automatisierung der Implantatfertigung. Auf zwei Mikron-Fräsmaschinen HSM 600U und HSM 400U, die über einen Workmaster-Roboter von System 3R gefüttert wurden, fertigte man seinerzeit acht Implantate pro Tag.
Verkettete Zellen
Heute beschäftigt E.S. Healthcare 45 Mitarbeiter, die inzwischen rund 80 bis 100 Implantate täglich produzieren und weltweit verschicken. Aber auch sonst hat sich seit damals Einiges geändert: Mittlerweile sorgen drei Fertigungszellen á drei Willemin-Macodel Fräsmaschinen vom Typ 408S für die reibungslose Bearbeitung der Implantate rund um die Uhr. Verkettet sind die Zellen mit einem Workmaster-Roboter von System 3R.
Und noch etwas ist anders: Wurden früher die Aufträge und der Arbeitsfluss mehr oder weniger manuell überwacht, erledigt das mittlerweile die ERP-Software „Job-Dispo“ der Fauser AG. Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf das Produkt der Software-Spezialisten aus Gilching. Vor allem die Nähe zum Automatisierer System 3R und zum Spannmittelhersteller Spreitzer, der die Schraubstöcke für E.S. Tooling lieferte, über die „Manufacturing Alliance“-Kooperation verhalf Fauser zu einer guten Ausgangsposition.
Die sehr einfache Bedienung der Job-Dispo-Software und problemlose Integration vorhandener Daten gab dann den letzten Ausschlag. Tim Smulders, bei E.S. Healthcare für die Automatisierung verantwortlich, ist sicher, die richtige Auswahl getroffen zu haben: „Wir haben ein individuell auf uns zugeschnittenes ERP-System bekommen, auf Basis eines Standardprogramms.“ Das heißt: Alle Sonderwünsche sind ausschließlich über Plug-ins realisiert worden. Eine spezielle Programmierung war dafür nicht notwendig.
Das sagt die Redaktion
Lebenszeichen von der Allianz
Angekündigt war es schon lange, jetzt folgen auch die ersten Umsetzungen: die Manufacturing Alliance macht ernst. Was der Anwender davon hat, zeigt ein Blick auf das Unternehmen E.S. Healthcare: Schnell und unkompliziert wurde hier eine Lösung etabliert, die dem Einzelfertiger auf den Leib geschnitten ist – basierend auf einem Standardprodukt, ohne großen Programmier-Schnick-Schnack. Nur so kann der auch seine ehrgeizigen Wachstumsziele realisieren. Wer es nicht glaubt, kann sich übrigens bei E.S. Healthcare gerne selbst umtun: Die Türen der Belgier stehen für Besucher offen.
Wolfgang Pittrich
Schnelle Vorkalkulation und Zeitabschätzung für den Auftrag
Ein Beispiel dafür ist der Varianten-Generator. In diesem Software-Tool hat E.S. Healthcare für jeden bisherigen Auftrag die Durchlaufzeiten, Materialmengen und Kosten hinterlegt. Trotz Einzelanfertigung kann deshalb bei einem neuen Order schnell eine Vorkalkulation und Zeitabschätzung für den Auftrag gemacht werden. Wichtig vor allem dann, wenn es um komplizierte Teile geht, die zeitkritisch sind. „Wir wollten dieses Tool, in dem ja unser gesamtes Know-how steckt, auf jeden Fall in Job-Dispo integrieren“, verdeutlicht Jan Smulders die Dringlichkeit des Anliegens. Die Lösung von Fauser sieht nun so aus, dass über ein Plug-in ein Varianten-Generator im ERP-System integriert wurde, den der Kunden nun nach Gusto füllen kann. Aufwändiges Programmieren entfiel; ebenso bleibt den Belgiern die umständliche Pflege eines neuen Programms durch den Software-Anbieter erspart.
Eine weitere Anforderung des Lohnfertigers an Fauser lautete, eine Schnittstelle zur hauseigenen „IsuSsoft“-Software
zu implementieren. Mit diesem speziellen Programm können Dentallabors oder andere Kunden ihre Gebissmodelle einscannen und CAD-Daten generieren, die an E.S. Healthcare gemailt werden. Das Problem in der Vergangenheit war, dass die Flut von E-Mails manuell gecheckt werden musste; auch die Auftragserstellung erfolgte umständlich und mühsam per Hand.
Auftragserstellung wird per Plug-in vollautomatisch abgewickelt
Dank der Anbindung an Job-Dispo – ebenfalls über ein Plug-in – geschieht dieser Vorgang nun automatisch. Parallel dazu erstellt das System eine Materialliste und gibt Vorschläge zur optimalen Maschinenbelegung. „Das ist toll“, sagt ein begeisterter Tim Smulders. „Es versetzt uns in die Lage, die Aufträge in den geforderten 48 Stunden auch wirklich durchzuschleusen.“ Angenehmer Nebeneffekt: Die Software automatisiert auch die Lieferung und Rechnungsstellung an unterschiedliche Adressen; peinliche Verwechslungen sind also ausgeschlossen.
Ermöglicht wird diese Art der Individualisierung bei Job-Dispo durch das sogenannte „Business Intelligent Modul“. Über diesen Moduldesigner können jede Art von Daten – egal ob Excel oder sonstige Office-Dokumente bis hin zu Google Maps – einfach über Plug-ins in das System implementiert werden. Für Jan Smulders eine „großartige Sache“; auch deshalb, weil Software-Updates mehr oder weniger per Knopfdruck erfolgen; zugrunde liegt ja die Standard-Software von Job-Dispo. Angetan war der Automatisierungsspezialist übrigens auch von der schnellen Implementierungszeit. Nach nur sechs Wochen und zwei Besuchen des Fauser-Teams in Belgien lief das Programm problemlos.
Problemlose Integration der Maschinen in die Automatisierung
Ohne Probleme funktioniert auch die Interaktion des „Workshopmanagers“ von System 3R und Job-Dispo – also von Organisations- und Shopfloor-Ebene. Hier greift die enge Zusammenarbeit von Fauser und System 3R via Manufacturing Alliance-Kooperation. Sie hat auch die Integration der Willemin-Macodel-Maschinen in die Automatisierungswelt von System 3R erleichtert, denn speziell für E.S. Healthcare musste man eine neue Schnittstelle schaffen.
Nach einem knappen Jahr Praxiseinsatz mit Job-Dispo ist man bei E.S. Healthcare dabei, die Datenerfassung abzuschließen. Im nächsten Jahr soll dann das System voll genutzt werden. Ziel ist, das Unternehmen noch transparenter zu machen und den Workflow noch besser zu steuern – bedarfsgerecht auf die Kundenanforderungen hin. „Wir können dann auch Informationen abrufen“, ist sich Erik Schildermans sicher, „die uns sicherer in die nahe Zukunft blicken lassen.“
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