Trends & Innovationen
In der Ruhe liegt die Kraft
22.06.2010
OberflĂ€chenbearbeitung: Die Handfeilmaschinen Diprofil Di-Pro erfĂŒllen laut Hersteller als erste und bislang einzige ihrer Art die neuen EU-Richtlinien fĂŒr Vibrationswerkzeuge. Bei profine, einem weltweit aktiven Unternehmen fĂŒr Kunststoff-Fensterprofile, wurde der Werkzeugbau komplett auf die neuen Maschinen umgestellt.
Bei der Arbeit mit Handfeilmaschinen ist FingerspitzengefĂŒhl gefragt. Umso wichtiger also, dass dieses GefĂŒhl auch nach stundenlanger Arbeit noch vorhanden ist. Doch die RealitĂ€t sieht anders aus: Mit zunehmender Arbeitszeit steigt die Belastung des Anwenders aufgrund der Vibrationen der Handfeilmaschine. Dies hat Folgen fĂŒr die Gesundheit. Eine der bekanntesten ist die so genannte âWeiĂfinger-Krankheitâ (Raynaud-Syndrom). Mittlerweile ist dies der hĂ€ufigste Ausfallgrund bei Mitarbeitern, die in den Betrieben tĂ€glich mit Vibrationswerkzeugen arbeiten.
Vor diesem Problem stand im vergangenen Jahr auch die profine GmbH in Pirmasens, ein weltweit fĂŒhrender Hersteller fĂŒr Kunststoff-Fensterprofile. Vor allem die Ă€lteren Mitarbeiter klagten zunehmend ĂŒber Durchblutungsstörungen in den Fingerspitzen, die Ursache der âWeiĂfingerâ. Ebenso hĂ€uften sich SehnenscheidenentzĂŒndungen bei den Mitarbeitern, die per Handfeilmaschine die KanĂ€le der Extrusionswerkzeuge polieren.
Wiederkehrendes Kribbeln in den Fingern ist ein ernstes Alarmzeichen
âManche Kollegen arbeiten bis zu 8â
h am Tag mit Handfeilmaschinenâ berichtet Björn Neumann, Werkzeugmechaniker bei profine. âGerade bei groĂen HĂŒben ĂŒber 3â
mm war die Belastung der Mitarbeiter enorm, die Ausfallquote stieg rapide an. Auch ich verspĂŒrte bereits nach relativ kurzer Arbeitszeit ein immer wiederkehrendes Kribbeln in den Fingern.â
Neumann bearbeitet die KanĂ€le der ExtrusionsdĂŒsen, er poliert die erodierten OberflĂ€chen innerhalb der KanĂ€le. Dazu
werden in die Di-Pro-Maschine glatt geschliffene Feilen eingespannt, die mit Klebe-Schmirgel beklebt werden. Die Bearbeitung erfolgt normalerweise in zwei Schritten, Korn 240 und Korn 400. Es wird âtrockenâ, also ohne Zugabe von Paste oder Fluid gearbeitet. Auch bei der Bearbeitung der ĂbergĂ€nge von Platte zu Platte schwört man bei profine auf die QualitĂ€ten der neuen Di-Pro-Handfeilmaschine von Joisten & Kettenbaum (Joke), um hier absolut homogene ĂbergĂ€nge zu erzielen. Im Anschluss an die Handfeilmaschinen-Bearbeitung wird die OberflĂ€chen-Struktur der KanĂ€le per Strömungsschleifen vereinheitlicht.
Neben den ExtrusionsdĂŒsen werden auch die entsprechenden Kalibrator-Werkzeuge mit der Handfeilmaschine bearbeitet, speziell die EinzĂŒge am Einlauf werden mit einer Feile bearbeitet, um einen reibungslosen Materialfluss zu gewĂ€hrleisten. Wie bei den DĂŒsen wird auch hier mit einer Feile mit aufgeklebtem Schmirgel gearbeitet.
Die Vorteile des Einsatzes der Di-Pro-Maschinen liegen fĂŒr die profine GmbH klar auf der Hand. âDas Handling der Maschine wurde klar verbessertâ, erklĂ€rt Björn Neumann. âAuch bei langen ArbeitseinsĂ€tzen ist keine ErmĂŒdung feststellbar.â Der Schwerpunkt wurde optimiert, so dass die Maschine deutlich besser in der Waage zu halten ist. âMan arbeitet mit der Di-Pro ganz einfach entspannter und somit lieber.â DafĂŒr sorgen auch Gegengewichte, die in der Hauptsache jedoch zur Vibrations-Minimierung zum Einsatz kommen.
Vibrationen werden mit technischem Kniff auf ein Minimum reduziert
Neben dem optimierten Handling liegt der Fokus der neuen Maschinen-Generation vor allem auf der Vibrations-Reduzierung. Möglich wird dies dank eines Doppel-Exzenters. Dieser bewirkt, dass die Kolben auf der Werkzeugseite und der Seite der Gegengewichte jeweils gegenlĂ€ufig vor- und zurĂŒckschwingen. So heben sich die vibrationsverursachenden KrĂ€fte nahezu auf, was die Vibrationen auf ein Minimum reduziert. Als Ergebnis steht die vibrationsĂ€rmste Handfeilmaschine weltweit.
Doch galt es fĂŒr den Hersteller Joke neben dem Komfort des Anwenders, vor allem auch neue rechtliche Aspekte zu beachten und in die Entwicklung einflieĂen zu lassen. Denn bereits seit dem 6. Juli 2005 ist die EU-Richtlinie 2002/44/EG in Kraft, die der Arbeit mit Vibrationswerkzeugen Regeln und Richtwerte verleiht. Diese Richtlinie schreibt vor, dass Hand-Arm-Vibrationen zukĂŒnftig als ein offizielles Gesundheits- und Sicherheitsrisiko am Arbeitsplatz zu betrachten sind und damit in die Risikobewertung am Arbeitsplatz Ă€hnlich wie die Risiken GerĂ€uschemission und Staubanfall eingehen.
Strikte EU-Werte werden eingehalten
Die Handfeilmaschinen Di-Pro sind die ersten und bislang einzigen Maschinen, die diese strikten EU-Richtwerte einhalten. Sie sind fĂŒr alle Antriebssysteme von Joke erhĂ€ltlich, also fĂŒr das Elektromotor-System Eneska 3-1, fĂŒr die Motoranlage mit biegsamer Welle Jokeflex und fĂŒr Pneumatik-Antrieb.
FĂŒr profine hat sich die Umstellung auf die neue Maschinen-Generation mehr als gelohnt. âDie gesundheitlichen Beschwerden und daraus resultierende Ausfallzeiten sind spĂŒrbar zurĂŒckgegangen. Die Arbeit mit den neuen Maschinen ist komfortabler, einfacher und ohne Folgen nach Feierabendâ, fasst Björn Neumann zusammen. Das Unternehmen hat mittlerweile sĂ€mtliche Polier-ArbeitsplĂ€tze mit den neuen Maschinen ausgestattet. Die ProduktivitĂ€t der Fertigung ist spĂŒrbar gestiegen.
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