Trendreport
Unverwechselbare Meisterklasse
22.06.2010
Made in Germany: Deutsche Werkzeug- und Formenbauer sind bekannt dafür, sehr hochwertige und sehr komplexe Fertigungsmittel zu liefern. Qualität, die durchaus ihren Preis haben darf. Qualität umfasst indes deutlich mehr als „nur“ ein perfektes Werkzeug – ein Feld, in dem man sich klar vom Wettbewerb absetzen kann.
Die bekannt hohe Qualität deutscher Werkzeuge und Formen ist gerade in der Krise ein großer strategischer Vorteil im globalen Wettbewerb, der sich für die deutschen Werkzeug- und Formenbauer auch deutlich bemerkbar macht. „Made in Germany“ gilt auch im Industriegüterbereich als unverwechselbare Meisterklasse: Es ist ein ausgezeichnetes Qualitätssiegel und wird als Garant für zuverlässige Produktionsmittel mit höchster Präzision, technischer Finesse und Langlebigkeit wahrgenommen.
Was für den Industriesektor gilt, ist umso mehr für das tägliche Konsumverhalten aktuell: Nach einer Verbraucherbefragung der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) in Frankfurt spielt Qualität als Entscheidungs- und Orientierungshilfe ungeachtet der Krise eine nach wie vor sehr wichtige Rolle für Kaufentscheidungen. Die Befragten verbinden mit dem Begriff „Qualität“ so positive Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Haltbarkeit.
Vielleicht angesichts der Krise etwas überraschend: Ein Großteil der Befragten ist auch nach wie vor bereit, sich gute Qualität auch „etwas kosten zu lassen“. Selbst dort, wo sich die eigene wirtschaftliche Lage verschlechtert hat, kommt laut der Studie der Qualität bei Kaufentscheidungen eine unverändert große Bedeutung zu.
Allerdings: Damit Qualität zum Entscheidungskriterium wird, muss sie für den Käufer auch erkennbar sein. Gerade im Werkzeug- und Formenbau fehlt hier oft das Wissen um die Wichtigkeit, seine Produkte auch entsprechend zu „verkaufen“. Das jedoch wird im globalen Wettbewerb immer wichtiger – weshalb sollte ein Einkäufer die in der Regel hochpreisigen Formen und Werkzeuge aus heimischer Produktion denen aus Billiglohnländern vorziehen, wenn er nicht wirklich weiß, für welchen Mehrwert er mehr bezahlen soll?
Deutsche Werkzeug- und Formenbauer sind bekannt für hohes technisches Können und exzellentes Prozesswissen – nicht aber unbedingt für die gekonnte Vermarktung ihrer Produkte. In der Vergangenheit ist das ja auch lange gut gelaufen – die Einkäufer waren oft selbst gelernte Werkzeugmacher, und die wussten, was sie an der Qualität der Werkzeuge und Formen ihrer deutschen Standeskollegen hatten. Seit einigen Jahren ist das indes nicht mehr so – im Einkauf regiert nun oft der Kostendruck, selten gibt es dort noch Ansprechpartner, die technische Finessen eines Werkzeugs auch bezüglich ihrer Auswirkungen in der Produktion einschätzen können.
Wahrnehmbarer Mehrwert
Solange die Entscheidungsträger in den Konzernen den Mehrwert hochwertiger Werkzeuge nicht wahrnehmen, wird letztlich der Preis ausschlaggebend sein – auch wenn ein billig eingekauftes Werkzeug nur in den seltensten Fällen die wirtschaftlichste Lösung ist. Qualität hat eben ihren Preis. Deshalb sind Werkzeug- und Formenbauer zunehmend gefordert, sich nicht nur über ihre Produkte vom Wettbewerb zu differenzieren – die höhere Qualität muss auch klar vermarktet werden. Dazu gehört die exakte Kenntnis der Prozesse beim Kunden und damit auch das Wissen um die Vorteile, die ein Qualitätswerkzeug gegenüber seiner Billigkonkurrenz ins Feld führen kann. Aber das muss auch dem Kunden verdeutlicht werden. Denn nur dann. wenn der Mehrwert klar erkennbar und für den Nutzer auch relevant ist, wird der auch bereit sein, dafür einen höheren Preis zu bezahlen.

Nach wie vor wird laut DGQ-Studie gerade im Maschinen- und Anlagenbau den deutschen Produkten ein klarer Qualitätsvorsprung gegenüber Erzeugnissen aus anderen Ländern eingeräumt.
Der gute Ruf deutscher Qualität ist eine klare Trumpfkarte für den Export: Die Gesamtqualität deutscher Erzeugnisse wird deutlich höher eingeschätzt als die in anderen Staaten hergestellten Produkte. Das gilt insbesondere auch für Erzeugnisse des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus und für deutsche Werkzeuge.
Das hilft auch bei Märkten, bei denen man es vielleicht auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Etwa in Asien: Nicht von Ungefähr werden beispielsweise nach wie vor mehr Werkzeuge aus Deutschland nach China exportiert, als umgekehrt aus China eingeführt werden. Denn Chinesen sind durchaus sehr qualitätsbewusst – und da bieten sich auf diesem riesigen Binnenmarkt nach wie vor große Chancen für deutsche Werkzeug- und Formenbauer. Weil hierzulande auf einem Qualitätsniveau gearbeitet wird, das in China so kaum zu bekommen ist. Und das wird auch noch einige Zeit so bleiben.
Auch in anderen Ländern Asiens wird „Made in Germany“ nach wie vor sehr geschätzt. So ist es kein Zufall, dass etwa die Werkzeuge für die neueste Flachbild-TV-Gerätegeneration des koreanischen Herstellers LG Electronics aus Deutschland kommen, genauer gesagt von Summerer Technologies aus dem bayerischen Schechen (mehr dazu im „Benchmark“ ab Seite 58): Hier konnten die Koreaner überzeugt werden, dass es sich lohnt, auf durchaus hochpreisige High-Tech aus Deutschland zu setzen – mit dem Ergebnis, dass das Produktdesign optimiert ist und Ausschuss und Nacharbeit nahezu vollständig eliminiert werden konnten. Die Werkzeugbauer konnten dem Global Player aus Fernost offenbar nachweisen, dass dieser Mehrwert, der sich für LG Electronics in barer Münze auszahlt, so bei keinem anderen Wettbewerber zu bekommen ist – und vor allem nicht zu einem geringeren Preis. Das Ergebnis: ein zufriedener, loyaler Kunde.
Der Service ist ein wichtiger Aspekt im „Gesamtpaket Qualität“
Einen wichtigen Aspekt von Qualität bestimmt übrigens der Service. Hier können sich Werkzeugbauunternehmen mit ihrer Kompetenz einbringen, können ihren Kunden ein „Rundum-Wohlfühlpaket“ schnüren und so die Kundenbindung nachhaltig stärken. Und gerade bei änderungsintensiven Werkzeugen, bei Reparaturen oder Nachbesserungen sind kurze Wege ein Vorteil.

Die Qualität der Produkte und Dienstleistungen wird, dicht gefolgt von der Qualifikation der Mitarbeiter, von den Befragten der DGQ-Studie als der entscheidende Faktor wahrgenommen, mit dem sich deutsche Unternehmen am stärksten vom internationalen Wettbewerb abheben.
Das heißt zwar einerseits, dass man konsequenterweise seinen international aktiven Kunden auch zu ihren relevanten Standorten im Ausland folgen muss, um sie optimal zu betreuen. Andererseits gibt es bislang nicht viele außerhalb von Deutschland, Österreich oder der Schweiz beheimatete Werkzeugbauer, die hierzulande Supportstrukturen aufgebaut haben. Ein gewichtiges Argument, das die heimischen Werkzeug- und Formenbauer noch stärker in den Vordergrund rücken sollten. Auch wenn die Lernkurve bei manchem OEM ein bisschen Zeit braucht – viele sind bereits wieder reumütig zu ihren inländischen Lieferanten zurückgekehrt.
Wer Qualität erreichen und vor allem auch nachhaltig sichern will, muss innovativ sein und dementsprechend auch seine Mitarbeiter weiterqualifizieren. Das ist gerade in einer Zeit, in der sich viele Unternehmen noch in der Krise befinden, besonders wichtig: Laut der Studie der DGQ ist beispielsweise die Anzahl der Weiterbildungstage pro Jahr und Mitarbeiter von sieben im Jahr 2007 auf nur noch fünf im Jahr 2009 gesunken.
Sparen am falschen Platz
Das jedoch ist Sparen am falschen Platz – erwiesenermaßen ist Weiterbildung ein wichtiger Hebel für den Unternehmenserfolg: Mitarbeitern erfolgreicher Unternehmen steht laut der Studie deutlich mehr Zeit für Weiterbildung zur Verfügung als ihren Kollegen in weniger erfolgreichen Unternehmen. Zwar müssen auch erfolgreiche Unternehmen sparen – aber sie tun dies an Stellen, die für den eigenen Unternehmenserfolg nicht so wichtig sind. Schließlich ist die Qualifikation der Mitarbeiter einer der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren qualitätsorientierter Unternehmen.
Deshalb investieren zukunftsorientierte Betriebe gerade jetzt in die Weiterqualifizierung der Fachkräfte. Denn zum einen werden zahlreiche sinnvolle Schulungsmaßnahmen jetzt noch vom Staat unterstützt. Zum anderen ist jetzt auch Zeit dafür da – wenn die Konjunktur wieder voll anspringt und die Aufträge die Kapazitäten übersteigen, ist es zu spät, dann sind die Prioritäten wieder anders gelagert. Höchste Zeit also, dass man die eigenen Qualitätsstandards im Unternehmen auf den Prüfstand stellt und bei Bedarf entsprechend nachbessert. Denn der Wettbewerb ist schärfer geworden – profitieren werden nur jene Unternehmen, die sich entsprechend aufstellen.
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